Denn da in Wien fast alle diese Wohnungen einen Fernwärme-Anschluss haben, sind bei geringem Verbrauch vergleichsweise horrende Fixpreise zu zahlen.

So beweist ein der "Wiener Zeitung" vorliegendes Fallbeispiel, dass die aktuelle Tarifstruktur nicht wirklich zum Energiesparen einlädt: Für eine 113Quadratmeter große Wohnung im Niedrigenergiesektor (32 kWh/m² Kennziffer laut Energieausweis ) musste der Bewohner gemäß der ersten Jahresabrechnung 688 Euro netto bezahlen. Das Bemerkenswerte ist, dass die reinen Fernwärme-Verbrauchskosten gerade einmal 67 Euro - also nur rund ein Zehntel - ausmachten. Kein Wunder, denn aufgrund der guten Dämmung mussten die Heizkörper nur sporadisch, aufgedreht werden, nämlich meist bei Außentemperaturen unter null Grad.

Der Löwenanteil der Kosten ergibt sich aus den Grundkosten (berechnet nach der Wohnungsgröße) und einem Messpreis. Bei diesem Beispiel aus dem geförderten Wohnbau handelt es sich um einen Vertrag mit einem Energie-Contractor, der als Primär-Energie die Wiener Fernwärme nutzt und diese in der Wohnhausanlage verteilt; der Tarif orientiert sich an jenem der Fernwärme.

Wie berichtet, hat der Rechnungshof bereits im Vorjahr dieses Ungleichgewicht zwischen Verbrauchs- und Fixkosten angeprangert: Zwar wurde anerkannt, dass die hohen Investitionen für das Fernwärme-Netz mit einem "reinen verbrauchsabhängigen Tarifsystem" nicht abgedeckt werden könnten, zugleich aber auch eindringlich empfohlen, sich ein "energiesparendes Tarifsystem" zu überlegen.

"Anreize fürs Sparen"

Seither gibt es Verhandlungen auf höchster Politebene, da die Fernwärme-Tarife per Preisbescheid des Bürgermeisters geregelt sind. "Wir sind mitten im Arbeiten, ein Zeitplan ist nicht absehbar", erklärt Fernwärme-Wien-Sprecherin Ruth Strobl zum Stand der Verhandlungen. Ziel sei nach wie vor, Anreize für energiesparenderes Heizen im Passiv- und Niedrigenergiesektor anzubieten, indem der Verbrauch teurer, die Grundgebühr billiger werde. Teil der Gespräche seien übrigens auch die tausenden Wohnungen ohne Fernwärme-Direktverträge, die via Energie-Contracting versorgt werden.

Ein neues Fernwärme-Tarifmodell, das "vermehrt Anreize zum Energiesparen" bieten soll, steht übrigens auch im rot-grünen Regierungsübereinkommen. Für den grünen Energiesprecher Christoph Chorherr ist dieses auch hoch an der Zeit. "Entweder wird die Tarifstruktur signifikant und sozial verträglich verändert oder aber wir überlegen uns für neue Stadtentwicklungsgebiete eine andere Energieversorgung." Denn "das bisschen Restwärme" ließe sich kostengünstig auch anders besorgen, so Chorherr: "Ich hielte es aber für gescheiter, bei der Fernwärme zu bleiben. Dann muss aber Energiesparen belohnt werden, denn so unbegrenzt Fernwärme haben wir ja auch nicht."

Auch der Verein für Konsumenteninformation hat sich mit der Thematik schon vor Jahren befasst: Er ist damals zu einem überraschenden Schluss gekommen: Angesichts dieser hohen Grundkosten käme sogar ein Heizen mit Strom billiger - da ja nur wenig Raumwärme benötigt wird.

Das freilich sei alles andere als wünschenswert, erörtert Günter Lang von der IG-Passivhaus. Die gängigen Tarife kritisiert er zugleich scharf: "Das ist eigentlich eine Unverschämtheit, weil der Energiespar-Gedanke völlig konterkariert wird."

Wenig Information

In der Praxis werden Interessenten überdies nicht umfassend informiert: So sind in den diversen Wiener Wohnbaubroschüren die Fernwärme-Fixkosten bei einzelnen Projekten selten aufgelistet - stets ist die Rede von "geringen Heizkosten". Dasselbe hört, wer direkt bei einem großen Wiener Bauträger anruft, um sich für ein Passivhaus-Projekt zu erkundigen. Erst auf Nachfrage wird eingestanden: "Stimmt, Sie müssen natürlich die vollen Grundkosten bezahlen."