Museumsdirektor Dr. Gunther Kacerovsky bei der Vorführung des alten Pfaffstättner Weingartenpfluges, der im Volksmund "Weiberschinder" hieß. - © Johann Werfring
Museumsdirektor Dr. Gunther Kacerovsky bei der Vorführung des alten Pfaffstättner Weingartenpfluges, der im Volksmund "Weiberschinder" hieß. - © Johann Werfring

Der Besuch von Heimatmuseen hat einen ganz eigenen Reiz. Ihre besondere Aura verdanken solche Institutionen stets dem Wirken von engagierten Heimatforschern. Meist handelt es sich um gebildete Ortsansässige, die sich im Gebiet gut auskennen und in der Gemeinde eine bedeutende Position, etwa als Schuldirektor, Amtmann oder Bürgermeister, innehaben. Im Unterschied zu professionell geführten Museen werden solche Sammlungen nicht nur mit den obligaten musealen Objekten, sondern – gewissermaßen – auch literweise mit Herzblut angefüllt.

In Pfaffstätten wurde das örtliche Heimatmuseum 1950 vom Gemeindesekretär Anton Knopp gegründet. Dessen Nachfolger, Altbürgermeister Johann Hösl, erweiterte die Sammlung beträchtlich und sorgte 1985 engagiert für eine neue Unterbringung in einem ehemaligen Hauerhaus. Heute kümmert sich der studierte Mathematiker Dr. Gunther Kacerovsky, der zugleich Obmann des Pfaffstättner Heimatvereines ist, um die Pflege der musealen Bestände und um die Betreuung der Besucher. Dem umsichtigen Wirken der genannten Akteure sind mittlerweile auch mehrere lesenswerte Publikationen zu verdanken.

Bis in die 1950er Jahre wurden die Rebstöcke durch Frostschirme geschützt. - © Heimatmuseum Pfaffstätten
Bis in die 1950er Jahre wurden die Rebstöcke durch Frostschirme geschützt. - © Heimatmuseum Pfaffstätten


Der Standort des Museums im ehemaligen Hauerhaus gegenüber vom Pfaffstättner Gemeindeamt ist gut gewählt, denn ein wesentlicher Teil der Sammlung bezieht sich auf die weinbauliche Vergangenheit des bekannten Weinhauerortes. "Patres et vinum" ("Väter und Wein") – so soll Pfaffstätten schon von den alten Römern bezeichnet worden sein.

Neben vielerlei ernsthaften Details aus der örtlichen Wirtschafts-, Technik- und Kulturgeschichte des Weinbaus weiß Museumsleiter Kacerovsky auch manch ein Histörchen zu berichten. Der Weingartenpflug etwa, der bei den Pfaffstättner Hauern bis in die 1950er-Jahre im Gebrauch war, wurde im Volksmund "Weiberschinder" genannt. Den hier gezeigten Pflug benützten vor allem die ärmeren Bauern, die sich kein Pferd zum Vorspannen leisten konnten. Üblicherweise wurde der Pflug von Dienstboten gezogen.

Wenn der Haussegen schiefhing

Waren diese jedoch nicht einsatzbereit oder vorhanden, so musste die Frau des Hauers den Pflug ziehen, während der Mann ihn führte und vorwärts schob. Es wird berichtet, dass der Hauer den Pflug immer dann recht tief in die Scholle drückte, wenn der Haussegen schiefhing, weshalb das Gerät den speziellen Namen erhielt.

Unser kleines Bild veranschaulicht, wie die Pfaffstättner Weinhauer bis in die 1950er Jahre im Mai zur Zeit der "Eisheiligen" (Pankratius, Servatius und Bonifatius) sowie am darauf folgenden – meist regnerischen – Namenstag der Sophie (pfaffstättnerisch "die g´soachte Sopherl") ihre Weinstöcke vor Frost zu schützen trachteten. Nicht selten wurden die fragilen Frosthütchen indes vom Winde verweht . . .

Print-Artikel erschienen am 11. September 2008
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7