Wehrmachtshelm als Mörtelschöpfer zum Hausbau. - © Johann Werfring
Wehrmachtshelm als Mörtelschöpfer zum Hausbau. - © Johann Werfring

Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. (Micha 4, 3).

Dieses biblische Wort des Propheten Micha erfüllte sich auch hierzulande nach dem Zweiten Weltkrieg in mannigfaltiger Weise. Während noch wenige Jahre zuvor Glocken zu Kanonen mutierten, wurde nun das übrig gebliebene Kriegsgerät in spezieller Weise zu einem Werkzeug des Friedens umfunktioniert.

Ein schönes Beispiel für eine solch veränderte Funktionsweise von Kriegsmaterial ist ein zu einem Mörtelschöpfer umgebauter Wehrmachtshelm, welcher im "Heeresgeschichtlichen Museum Wien" zu sehen ist. Besitzer des Helmes ist mein Vater, Anton Werfring, der diesen nach dem Krieg zum Hausbau verwendete und ihn nun anlässlich der Jubiläumsfeiern dem Museum als Leihgabe zur Verfügung stellte.

Um die Hintergründe der Auffindung, Umfunktionierung und Gebrauchsweise des Helmes besser beleuchten zu können, lassen wir unseren Vater persönlich zu Wort kommen: "Am Karfreitag, dem 30. April 1945, verlagerte sich im Burgenland die Front von Süden her nach Sieggraben. Ich war damals 16 Jahre alt und hatte – ebenso wie alle anderen Bewohner unseres Dorfes – gemeinsam mit meinen Eltern und meiner Schwester den Ortsbereich verlassen und in einem entlegenen Bauernhof Zuflucht gesucht. Nachdem die russischen Streitkräfte das Dorf erobert hatten, kam es im nächsten Frontabschnitt zu äußerst harten Gefechten. Auf der Strecke zwischen Sieggraben und Mattersburg hatte die deutsche Wehrmacht die Sowjets drei Mal zurückgeworfen. Erst dann bewegte sich die Front weiter Richtung Norden.

Als wir nach einigen Tagen wieder in unsere Häuser zurückkehrten, war das Dorf von russischen Soldaten besetzt. Diese ließen von unserem Dorftrommler verlautbaren, dass sich die Bevölkerung zu Aufräumarbeiten einzufinden hätte. Insbesondere galt es die vielen Gefallenen und Tierkadaver zu bestatten, um den Ausbruch von Seuchen zu verhindern. Da die erwachsenen Männer noch nicht zurückgekehrt waren, mussten das vor allem junge und betagte Männer erledigen, aber zum Teil waren auch Frauen dabei.

Der so stark umkämpfte Waldabschnitt war unvorstellbar schlimm verwüstet. Die Bäume waren von den Geschossen völlig zerfetzt; neben den vielen Toten und Tierkadavern lagen die unterschiedlichsten Kriegsgeräte herum, darunter auch ausgebrannte Fahrzeuge sowie eine große Anzahl Granaten, Gewehre und Stahlhelme.