Wien. Wenn im Dezember nächsten Jahres der neue Wiener Hauptbahnhof seinen Teilbetrieb aufnimmt, wird rundherum noch Großbaustelle sein; wenn die neue Verkehrsdrehscheibe dann 2015 ihren Vollbetrieb startet, wird unmittelbar daneben immer noch Großbaustelle herrschen. Grund dafür ist, dass das Herzstück des neuen Hauptbahnhofs - die sogenannte Bahnhof-City - frühestens im Herbst 2016, möglicherweise aber auch später fertig sein wird. Dabei hätte sie ursprünglich schon 2012 zur Teileröffnung vollendet sein sollen.

Dieser geänderte Zeitplan geht aus ÖBB-Unterlagen, die der "Wiener Zeitung" vorliegen, hervor.

Fotostrecke 0 Bilder


Immerhin handelt es sich bei der Bahnhof-City um das markanteste Bauwerk des gesamten Milliardenprojekts: Situiert beim Hauptzugang am Südtiroler Platz, dockt es direkt an die Bahnhofshalle an und ist mit ihr via Passage untrennbar verbunden. Laut den ÖBB-Dokumenten stellt der 88 Meter hohe Turm "einen städtebaulichen Akzent am Vorplatz des neuen Hauptbahnhofes" dar, der "weithin als markante Landmark am Gürtel wahrgenommen" werde. Ferner übernehme die Bahnhof-City die Funktion eines "zentralen Ortes" und sei "wichtiges Bindeglied" zwischen den Bezirken 4 und 10 mit "überregionaler Bedeutung". Umso bitterer scheint es daher, dass just dieses wichtige Projekt zeitlich nicht mehr mit dem eigentlichen Bahnhofs-Bau Schritt halten kann, wie es 2006 im Zuge der neuen Flächenwidmung noch vorgesehen war.

ÖBB wollen 28 Millionen

Derzeit befindet sich das Projekt mit dem offiziellen Titel "Baufeld A.01" in einem Verkaufsverfahren, das im Juni 2012 abgeschlossen sein soll. Der Mindestkaufpreis für den Komplex mit 90.000Quadratmetern Bruttogeschoßfläche wurde mit 27,9 Millionen Euro festgelegt. Genutzt werden kann es für Büros, Hotel, Handel und Dienstleistungen. Laut den Unterlagen wollen die ÖBB das Baufeld aber erst im September 2014 freigeben, weil die Fläche zur Baustelleneinrichtung benötigt würde. Somit ergibt sich ein frühestmöglicher Eröffnungstermin im September 2016, so die ÖBB.

Allerdings rechnen Experten mit weiteren Verspätungen, zumal sich der Bau der Bahnhof-City ja allein an der Marktnachfrage orientieren wird und nur der Investor den Baustart bestimmt. Außerdem wird der künftige Käufer verpflichtet, einen Architekturwettbewerb auszuloben. Und zwar "unter Einbeziehung der Stadt Wien und der ÖBB". Zu einem offenen Wettbewerb, der EU-weit ausgeschrieben wird, kann der (private) Käufer freilich nicht gezwungen werden.