Wien. Sie drängeln und schubsen, schieben und rempeln. Lugen durch die noch unbeleuchteten Schaufenster, um einen Blick auf die Waren zu erhaschen. Und rücken schließlich in geschlossener Reihe mit Einkaufs-Trolleys und Körben in Richtung Eingang vor: die Kunden des Vinzi-Sozialmarktes in der Wallgasse in Wien-Mariahilf, die bereits lange vor dem Aufsperren gekommen sind und nun erwartungsvoll ins Geschäft strömen. Allen voran eine junge Mutter, deren fünfjähriger Sohn zielstrebig auf ein Regal mit den letzten Schokolade-Ostereiern zusteuert, die sich hier - mitten im Sommer - aneinanderreihen.

Wenige Gassen weiter hetzt eine elegante Mittdreißigerin in Stöckelschuhen in den Merkur-Markt in der Mariahilfer Straße. Im Sitz ihres Einkaufswagens quengelt ein etwa zweijähriges Mädchen, ganz in Rosa gekleidet: Es hat die bunten Schnorchel und Spritzpistolen entdeckt, die sich nahe dem Eingang zu einer Pyramide türmen. Die Mutter greift gedankenverloren nach einem rosa Schnorchel und gibt ihn dem Kind zum Spielen. Bevor sie in den Gang in Richtung Milchregal einbiegt, lässt sie ein Kunstblumen-Gesteck in den Wagen gleiten. Die Tochter greift danach und lässt den Schnorchel fallen.

Das Milchregal im Vinzi-Markt war an diesem Tag schon beim Aufsperren leer. Stattdessen füllen Joghurts der gleichen Sorte einen Bruchteil des Regals. Die junge Mutter steht bereits mehrere Minuten lang davor. Sie zögert, nimmt schließlich zwei Joghurts und legt sie in den Korb zu den Ostereiern. Ihr Fünfjähriger läuft indes zur Tiefkühltruhe, stellt sich auf die Zehenspitzen und schaut sehnsüchtig über den Rand auf die Erdbeereis-Schachteln darin. Neben der Tiefkühltruhe hängen dicke, braune Cordjacken.

Ein Laib Brot gratis

Im Vinzi-Markt wird verkauft, was er bekommt. Hauptsächlich Überschussware und falsch etikettierte oder abgelaufene Produkte, die noch gut sind - denn auch hier wird vom Lebensmittelamt kontrolliert.

Einen Laib Brot gibt es für jeden Kunden gratis. Heute liegen sogar Gurken zur freien Entnahme bereit. Sie kommen von Gärtnern in Simmering und sind unverkäuflich - etwa, weil sie zu dünn oder wässrig sind. Einkaufsberechtigt ist allerdings nur, wer weniger als 850 Euro netto verdient. Bei einem Ehepaar dürfen es 1200 Euro sein, pro Kind kommen 100 Euro dazu.