Wien. 800 Meter unter der Meeresoberfläche beginnt die Tiefsee. Dort kommt kein Sonnenstrahl mehr hin, es herrschen eisige Temperaturen und großer Druck. Trotzdem leben und überleben dort Tiere. Viele von ihnen sind noch nicht bekannt, erst ein Prozent der Tiefsee ist erforscht. Bizarre Organismen, die in der Japanischen Tiefsee leben uns verschiedene Spezialanpassungen aufweisen, können nun im Haus des Meeres in einem speziellen Aquarium besichtigt werden - und das ohne Taucherausrüstung und Spezialtraining.

Da es in dieser Tiefe kaum Licht und damit keine Pflanzen gibt, leben dort hauptsächlich Räuber und Aasfresser. Gerade für kleinere Tiere ist es daher notwendig, sich zu schützen. Die Stachelschwein-Krabbe zum Beispiel löst dieses Problem - wie der Namen vermuten lässt - durch zahlreiche Stacheln am Körper. Tannenzapfenfische besitzen große Augen, eine Anpassung an das Leben in der Finsternis. Ihr Körper ist zum Schutz vor Fressfeinden mit bestachelten, zu einem Panzer verwachsenen Schuppen bedeckt. Am Unterkiefer tragen sie zwei Leuchtorgane, die mit Hilfe von Bakterien Licht erzeugen. Biolumineszenz wird dieses bei Tiefseebewohnern häufige Phänomen genannt. Der Japanische Tannenzapfenfisch lockt damit Garnelen an, die er dann verspeist. Die Fische erreichen etwa zwölf bis fünfzehn Zentimeter Länge und leben in kleinen Gruppen.

Die "Stars" im neuen Tiefseebecken des Hauses des Meeres sind die Japanischen Riesen-Seespinnen. - © Herbert Thill/Haus des Meeres
Die "Stars" im neuen Tiefseebecken des Hauses des Meeres sind die Japanischen Riesen-Seespinnen. - © Herbert Thill/Haus des Meeres

Die Stars dieses europaweit einzigartigen Aquariums sind jedoch die Japanischen Riesen-Seespinnen. Dabei handelt es sich allerdings gar nicht um Spinnen, sondern um die größte lebende Krebsart. Lediglich die langen, schlanken Beine, die an Spinnen erinnern, sind für diesen Namen verantwortlich. Die Japanische Riesen-Seespinne erreicht ein Gewicht zwischen 10 und 20 Kilogramm. Unsere Tiere haben Spannweiten von über einem Meter, wobei die männlichen Tiere größer sind als die weiblichen. Es sind Allesfresser, sie vertilgen Aas und Pflanzenreste, aber auch Schnecken oder Muscheln, deren Schalen sie öffnen, um an das Fleisch zu gelangen.

Das neue Aquarium mit einem Systemvolumen von etwa 12.000 Litern war eine technische Herausforderung. Immerhin darf die Wassertemperatur nie über 14 Grad Celsius ansteigen. Dafür musste ein entsprechendes Kühlsystem mit einem Wärmetauscher aus Titan angeschafft werden. Für gute Einblicke gibt es eine halbrunde Kunststoffglasscheibe. Diese sorgt außerdem dafür, dass sich kein Kondenswasser bildet, wie es sonst bei derartigen Temperaturunterschieden der Fall wäre. Insgesamt kostete die Errichtung des Aquariums etwa 180.000 Euro.