Der Dachstuhl der Hofburgkapelle kann am Tag des Denkmals besichtigt werden. - © DI Dr. Gerald Esser
Der Dachstuhl der Hofburgkapelle kann am Tag des Denkmals besichtigt werden. - © DI Dr. Gerald Esser

Wien. "Aus Holz" ist nahezu alles, was das Bundesdenkmalamt den Besuchern am "Tag des Denkmals 2011" am 25. September zur Besichtigung anbietet. An über 250 verschiedenen Orten in ganz Österreich werden ansonsten nicht oder nur schwer zugängliche Objekte, vom neolithischen Pfahlbau über historische Dachstuhlkonstruktionen bis zur hölzernen Rutschbahn, von fachkundigem Personal erklärt. 70.000 Besucher zählte man im Vorjahr, diesmal hofft man mindestens ebenso viele auf den Holzweg führen zu dürfen.

Zunächst sei man in Wien etwas skeptisch gewesen, ob man das internationale Jahresmotto der "European Heritage Days" auch in der Stadt mit interessanten Programmpunkten erfüllen könne, so Friedrich Dahm, Landeskonservator für Wien. Bei der Recherche wurde man selbst davon überrascht, wie sehr Holz sowohl in Kunst- als auch in Bauwerken von Bedeutung sei. "Die Palette ist unendlich reich."

Zu den Programmhighlights in Wien gehört unter anderem die Besichtigung des Dachstuhls der Hofburg, "eine kilometerlange, fantastische Konstruktion", und auch eine Besichtigung des derzeit in Generalsanierung befindlichen Winterpalais des Prinzen Eugen, das seit 150 Jahren das Finanzministerium beherbergt, solle man sich keineswegs entgehen lassen.

Die Arbeiten am Winterpalais und dem angrenzenden Gebäudekomplex, zu dem auch das Palais Questenberg zählt, seien derzeit eine der größten Herausforderungen der Denkmalschützer in Wien, so Dahm. Ein anderes Großprojekt konnte kürzlich abgeschlossen werden: Die Wiederherstellung der übermalten Wandgemälde und die Rekonstruktion der abgescherten Deckengemälde Camillo Sittes in der Mechitaristenkirche in Wien-Neubau sei ein erfolgreich bewältigtes "Wagnis" gewesen.

Mit Holz hat ein denkmalschützerisches Trauma zu tun, das mittlerweile weitgehend bewältigt scheint: der Hofburg-Brand des Jahres 1992. Mit Sprinkleranlagen in besonders wertvollen Gebäuden wie dem Schloss Schönbrunn, Imprägnierungen und den Bau von Brandabschnitten habe man seither wichtige Schutzmaßnahmen getroffen. "Aber beruhigt zurücklehnen darf man sich natürlich nie!" Neben den klassischen Gefahren durch Feuer und Holzwurm gibt es übrigens noch eine dritte, wenig bekannte Gefahrenquelle für schützenswertes Kulturgut aus Holz: das Dehnungs- und Schrumpfverhalten des Materials, das nicht selten in unmittelbarer Verbindung mit Stoffen mit gänzlich anderen Materialeigenschaften verarbeitet ist. Wichtigste Präventivmaßnahme dabei: "Ein stabiles Raumklima."

Alle Besichtigungen im Rahmen des "Tag des Denkmals" sind bei freiem Eintritt möglich, bei den meisten Programmpunkten ist eine vorherige Anmeldung im Internet allerdings dringend angeraten.