Wien. "Rasen am Ring - so ein Schwachsinn", schnauzte ein sichtlich gehetzter Mann im dunkelblauen Nadelstreifenanzug in sein Mobiltelefon.

Der Grund für seinen Ärger: der EU-weite "Autofreie Tag". Im Jahre 2000 auf Initiative der EU-Kommission eingeführt, nahmen am Donnerstag zahlreiche Österreicher in etlichen Gemeinden am "Autofreien Tag" teil und verzichteten dabei gänzlich auf ihr Fahrzeug. In Wien wurde am Burgring zwischen Babenbergerstraße und Burgtor von 13 bis 20 Uhr die Straße gesperrt, ein Naturrasen ausgerollt und die autofreie Zone auf Liegestühlen mit Speis und Trank genossen.

Doch nicht jedem war es vergönnt, in der Sonne zu schwelgen und die dort ausgegebene "Mediterrane Gemüsesuppe" zu verzehren. Der Mann im Nadelstreifenanzug musste sich bei seinen Geschäftspartnern für die Verspätung entschuldigen. "Das Taxi blieb wegen der Absperrung stehen und jetzt muss ich zu Fuß weiter", ärgerte sich der Mann.

Dabei hätte die Aktion "Rasen am Ring", die von verschiedenen Organisationen wie Greenpeace, Attac oder Virus organisiert wird, beinahe gar nicht stattgefunden. Eine Virus-Aktivistin erklärte: "Zwei Tage vor der Veranstaltung hat die Polizei die Aktion plötzlich verboten - überaus überraschend und unbegründet." Letztendlich konnte eine Einigung erzielt werden.

Alles andere wäre für eine Passantin untragbar gewesen: "Das wäre ja eine Schande. International und in anderen österreichischen Städten wird vollkommen auf Autos verzichtet. Und in Wien schaffen wir es nicht einmal, einen Straßenabschnitt zu sperren?" Dazu äußerte sich ein vor Ort patrouillierender Polizist: "Das könnte man doch auch woanders machen. Und der Polizeieinsatz kostet ja etwas. Da stellt sich immer die Frage: Was will sich ein Staat leisten?"

435 Gemeinden autofrei

Um Alltagswege zu erledigen, verzichten laut Verkehrsclub Österreich 44 Prozent der Bevölkerung auf ihr Auto. In Wien sind es 68 Prozent - im Burgenland und in Kärnten wird hingegen am häufigsten zum Autoschlüssel gegriffen. Aber immerhin haben sich heuer österreichweit 435 Gemeinden dazu entschlossen, am "Autofreien Tag" teilzunehmen. So viele wie noch nie.