Wien. Der Bericht der "Wiener Zeitung" über die Neu-Prüfung der Südverlängerung der U-Bahnlinie 2 sorgt für rege Diskussionen: Uneingeschränktes Lob kommt jedenfalls vom Verkehrsexperten Hermann Knoflacher: "Die Warnungen sind erhört worden. Denn es wäre wirklich schwierig, etwas Schlechteres zu finden als das, was geplant war."

Wie berichtet, wird einerseits die vorgesehene Trassenführung der U2 von den Wiener Linien und der Stadtplanung neu untersucht; andererseits werden Alternativen - etwa in Form von Straßenbahnen - ausgelotet. Wiener-Linien-Chef Eduard Winter erachtet eine U-Bahn-Anbindung des Arsenals ebenso als unnotwendig wie eine Erschließung des Hauptbahnhof-Wohnviertels mit der geplanten Endstelle Gudrunstraße: Dort seien U1 und D-Wagen ausreichend, so Winter. "Das klingt zumindest plausibel, muss man aber erst genau prüfen", urteilt Knoflacher. Schließlich sei im neuen Hauptbahnhof-Stadtteil die Frage der Umgebungsgestaltung entscheidend.

Karte zum Artikel

Im Falle eines totalen Aus für die 4,6 Kilometer lange Verlängerung ab Karlsplatz - wie es derzeit im Rathaus nicht ausgeschlossen wird - könnte auch der ORF mit seiner möglichen neuen Zentrale betroffen sein. Das Medienquartier St. Marx würde nämlich eine eigene Station bekommen. Für Knoflacher ist dies aber kein Muss: "Eine Anbindung mit der Straßenbahnlinie 18 wäre völlig ausreichend. Der ORF, so wie er heute ist, findet ja mit einer Buslinie das Auslangen", meint der TU-Verkehrsplaner.

Ob die U-Bahn ein Entscheidungskriterium für einen Wechsel nach St. Marx ist, will man im ORF nicht sagen: "Derzeit ist alles in Prüfung, daher wollen wir das nicht kommentieren", heißt es aus der Pressestelle.

"Wäre schade für die TU"

Betroffen wäre auch die Technische Universität (TU) Wien, die sich bereits vor einiger Zeit für den Standort Arsenal entschieden hat. Konkret sollen in den nächsten Jahren im Umfeld der geplanten U2-Station die Großlabors vom Getreidemarkt in einem "Science Center" konzentriert werden. Die U2 wäre dabei ein rasches Verbindungsvehikel zwischen den Standorten rund um den Karlsplatz und dem Arsenal. "Für uns wäre es schade, wenn sie nicht gebaut wird. Wenn nicht, wird uns das aber nicht vom Standort abbringen", erklärt TU-Sprecher Werner Sommer. Allenfalls brauche es aber eine leistungsfähige Alternative: "Denn derzeit benötigt man vom TU-Hauptgebäude zum Arsenal eine halbe Stunde."

Auch politisch sorgt die U2-Neuprüfung für Debatten: ÖVP-Landesgeschäftsführer Alfred Hoch meint, dass damit "das Chaos um die verkehrstechnische Erschließung für das Stadtentwicklungsgebiet Hauptbahnhof komplett" sei. Und er erinnert daran, dass es schon die SPÖ-Alleinregierung verabsäumt hätte, den Hauptbahnhof direkt an die U2 anzubinden. Für den grünen Verkehrssprecher Rüdiger Maresch wäre Letzteres aber purer Luxus: "Ich brauche dort nicht um Hunderte Millionen eine U-Bahn hinbauen, wenn ich U1, S-Bahnen und zwei Straßenbahnen habe." Auch SPÖ-Verkehrssprecher Karlheinz Hora kontert: Hoch solle sich lieber um sein "hausgemachtes Chaos Gedanken machen, als woanders chaotische Zustände anzudichten".