Wien. "Was ich nicht möchte, ist eine autoberuhigte Mariahilfer Straße", sagt Sabine Dudek, Prokuristin des Ballmodengeschäfts Joppich. Denn bei den autofreien Einkaufstagen in der Weihnachtszeit werde die Straße nicht genützt, die Fußgänger blieben auf den Gehsteigen, erzählt sie von ihrer Erfahrung.

"Weniger Autos würden mich nicht stören", meint hingegen Georg Mosler vom Bürowarenhandel Miller nebenan. Mit der Einschränkung, dass es Zufahrt- und Querungsmöglichkeiten für Autos geben müsse. Anders sieht das Helga Khissl, Inhaberin der gleichnamigen Handschuhboutique. Sie wünscht sich "mehr Zufahrtsmöglichkeiten für kleinere Firmen, auf keinen Fall eine Fußgängerzone", präzisiert sie. Da wäre die Zustellung unmöglich und auch für Kunden wäre es mühsam.

Birgit Brosenbauer arbeitet zwar auf der Mariahilfer Straße, einkaufen geht sie aber woanders. Das könnte sich ändern, sollte die Mariahilfer Straße in eine Fußgängerzone umgewandelt werden. Auch Marianne H., die mit Tochter und Enkelkind unterwegs ist, würde eine autofreie Mariahilfer Straße öfter besuchen: "Die Autoabgase und die Lautstärke des Verkehrs reizen meine Stimmbänder", klagt sie. "Ohne Autos hätte die Straße auch mehr Flair", ergänzt Magdalena H.

Christine G. kann sich nicht beschweren. Sie ist mit dem Rad unterwegs und hat keine Probleme mit den Autos hier: "Es ist ja eh eine 30er-Beschränkung."

Bürgerbeteiligung startet


Wenn es um die Umgestaltung der größten Shoppingmeile Wiens geht, treffen verschiedenste Zielgruppen mit ihren unterschiedlichen Interessen aufeinander. Immerhin sind 113.923 Menschen an einem durchschnittlichen Samstag in der Mariahilfer Straße unterwegs. Außerdem gibt es rund 2000 Betriebe (inklusive der Seitenstraßen), die ihre Interessen gewahrt wissen wollen, handelt es sich bei der Mariahilfer Straße doch um eine Geschäftsstraße - auf der schon jetzt wenige Autos fahren.

Dafür ist der Fußgängerverkehr so hoch wie kaum wo, vor allem an starken Einkaufstagen. Zur reinen Fußgängerzone sollte die beliebte Einkaufsstraße aber laut Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou nicht werden, wie diese Ende September im Gemeinderat erklärte.