Wien/St. Pölten.

In der Bundeshauptstadt Wien besitzen 100 Personen den Gewerbeschein für Detektive.
In der Bundeshauptstadt Wien besitzen 100 Personen den Gewerbeschein für Detektive.
"Haben Sie eine echte Pistole?" Markus Schwaiger muss lächeln. "Ja, ich besitze eine Waffe", erklärt er. "Aber ich habe damit noch nie jemanden erschossen." Davids Augen glänzen, als er unter dem Sakko des Mannes, der sich zuvor gegenüber seiner Klasse als Berufsdetektiv vorgestellt hat, eine Faustfeuerwaffe hervorblitzen sieht.

Schwaiger ist solche Fragen bereits gewöhnt. Immer wieder lädt der ehemalige Polizist Volksschulkinder in Österreichs einzige Detektiv-Akademie "EuroDet", die er seit rund drei Jahren in Wien-Hütteldorf leitet, ein. Um den Nachwuchs für den Job des Detektivs zu begeistern, wie er zur "Wiener Zeitung" sagt. Tatsächlich ist der Wissensdurst der rund 20 Kinder, die an diesem sonnigen Vormittag im Schulungsraum der Akademie Platz genommen haben, ungebrochen. Geduldig erzählt Schwaiger von seinen Einsätzen, erklärt den Unterschied zwischen Privat- und Berufsdetektiv - und wie man einer werden kann.

Theoretisch kann in Österreich jeder, der das 18. Lebensjahr vollendet hat und über gute Deutschkenntnisse sowie über einen einwandfreien Leumund verfügt, als Schüler bei "EuroDet" einsteigen. Die Ausbildung zum Detektiv-Assistenten dauert ein Jahr und ist auf fünf Modulen (Rechtskunde, Personenschutz, Technik, Forensik und Observation) aufgebaut. Kostenpunkt inklusive Vorträge, Skripten, Prüfungstaxen und Munition: 500 Euro pro Lehreinheit. Wer möchte, kann sich nach dem Abschluss spezialisieren. Ihr Anteil liegt laut Schwaiger allerdings nur bei 35 Prozent. Warum? "Es gibt viele, die machen das aus reinem Interesse oder weil sie für ihren Beruf dazulernen wollen."

Wenn Mitarbeiter stehlen


Zuletzt bei Schwaiger die Schulbank gedrückt hat Stephan R. aus Niederösterreich. Warum sich der ausgebildete Meteorologe für den Detektivjob beworben hat? "Es ist eine faszinierende und abwechslungsreiche Arbeit", sagt der 36-Jährige. Besonders das Modul "Observation" sei spannend und herausfordernd gewesen. Beispielsweise als es darum ging, zu Übungszwecken einen Verdächtigen durch Wien zu verfolgen oder im Kaufhaus einen Dieb zu stellen. Darüber, wie man Verdächtige erkennt und zu fassen bekommt, wollte der Detektivschüler nichts verraten. Nur so viel: "Man muss die Leute und ihre Blicke beobachten, ob sie sich verabreden oder einen Mantel tragen", sagt er. Dabei würden Diebe auch raffiniert vorgehen. "Die bestellen bei der Feinkost eine Semmel und verspeisen sie am Weg zur Kassa - ohne zu bezahlen."

Für Schwaiger sind solche Leute natürlich nur "kleine Fische", wie er gegenüber den Volksschülern zugibt. Einmal sei er aber in einem Wiener Baumarkt drei Wochen lang immer nächtens auf der Lauer gelegen, um einen Serieneinbrecher bei frischer Tat zu ertappen. Was ihm mithilfe seines Schäferhundes geglückt sei. Mühsam sei das Warten aber trotzdem gewesen, erzählt er seinen jungen Gästen. Und teuer für die Baumarkt-Geschäftsführung, wo doch ein Einsatz als Detektiv 70 Euro pro Stunde kosten kann. Die Konkurrenz in der Branche ist überschaubar. Derzeit gibt es in Österreich rund 300 Detektivbüros.

"Das Problem bei dem Dieb aus dem Baumarkt war, dass es diesmal kein Firmenmitarbeiter war", fügt Schwaiger hinzu. "Gewöhnlich können wir Einbrecher - und meistens sind es eben Mitarbeiter - mithilfe von Videoüberwachung überführen." Gesetzlich sei das alles gedeckt, sofern ein begründeter Verdacht vorliegt, dass gestohlen wird. Die Aktion durchführen darf aber nur der Detektiv.

Ehestreit als "Klassiker"


Laut Schwaiger nicht unterschätzt werden darf der Stellenwert eines Detektivs als unabhängiger Zeuge vor Gericht. Besonders wichtig sei das gerade bei "Ehegeschichten", wie der Ex-Polizist es nennt. "Der Klassiker ist natürlich, wenn Ehefrauen wissen wollen, ob der Gatte eine Freundin hat." Hart auf hart komme es oft erst im Fall einer Scheidung, etwa wenn es darum geht, herauszufinden, ob der Ex-Mann wirklich zu arm ist, um der Betrogenen Alimente zu zahlen. "Ich hatte einmal einen Fall mit reichen russischen Ehepartnern und da ging es doch immerhin um 300 Millionen Euro."

Allein die Schulkinder können mit der Zahl nichts anfangen. Ihr Interesse gilt nach wie vor mysteriösen Mordfällen, der Verfolgung von Verdächtigen - und Schwaigers Faustfeuerwaffe. Über seine Spezialisierung, den Kampf gegen Kinderpornos im Internet, verliert der "EuroDet"-Chef an diesem Tag kein Wort. Schließlich muss ein Detektiv nicht immer gleich alles erzählen, was er weiß.