Wien. Die Wiener Ringstraße hat sich am Samstag in eine bunte Partyzone verwandelt: Bereits zum 17. Mal ist die Regenbogenparade über die Prachtstraße gezogen. Laut Organisator Christian Högl, Obmann des Vereins Hosi (Homosexuelle Initiative), kamen rund 150.000 Personen zur Veranstaltung. "Das war eine der bestbesuchten Paraden überhaupt. Wir hatten Probleme voranzukommen, weil so viele Menschen auf der Straße waren", zog er Bilanz. Außerdem musste der Zug aufgrund einer Gegendemo einen unfreiwilligen Zwischenstopp einlegen.

Bei der Oper wurde die Parade circa eine Viertelstunde lang angehalten, weil eine Gruppe "rosenkranzbetender Christen" gegen die Veranstaltung demonstrierte, berichtete Högl. Also eine Gegendemo zur Demo, denn die Regenbogenparade hat trotz Partystimmung einen politischen Hintergrund. Die Teilnehmer demonstrieren gegen die Diskriminierung Homosexueller und Transgender-Personen.

Pride Show am Rathausplatz
Bei der Schlusskundgebung am Rathausplatz, der "Pride Show", versprach Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) sich weiterhin für die Rechte von Homosexuellen einzusetzen, etwa was den Kinderwunsch betrifft: "Wir brauchen ganz einfach mehr Regenbogenfamilien in diesem Land." Die grüne EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek forderte die Zuhörer auf: "Nehmt's diese Freude, diese Energie, die wir tanken mit in den Alltag." Denn dieser sei kein leichter.

Die Wiener Stadträtin Sandra Frauenberger (SP) unterstrich: "Diese Parade ist nicht nur ein Fest, sondern auch ein politisches Statement gegen Ausgrenzung, gegen Diskriminierung und für Akzeptanz und Solidarität." Und Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (G) zeigte sich zuversichtlich, dass die einzige Bastion, die es noch gebe, "sicher fallen wird in den nächsten Jahren". Dabei handelt es sich um die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule. Die Kundgebung fand heuer zum zweiten Mal am Rathausplatz statt und wurde vom Verein CSD Vienna organisiert.

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Der politische Hintergrund der Regenbogenparade war nicht nur bei der Schlusskundgebung, sondern auch während des Umzugs ersichtlich. Auf Plakaten der Teilnehmer waren Forderungen wie "Andersrum ist nicht verkehrt", "Freie Wahl des Geschlechts ohne Diskriminierung und Diffamierung" zu lesen.

Der Menschenzug war am Nachmittag auf dem Ring unterwegs - heuer wieder in Fahrtrichtung. Die Prachtstraße wurde dabei erstmals komplett umrundet. Start und Ziel war das Rathaus. Ob die Route im kommenden Jahr wieder so verlaufen wird, ist noch offen:"Das wissen wir noch nicht", so Högl. Das Motto des Events lautete "Born This Way" und sollte zu einem öffentlichen Bekenntnis einladen und auch heterosexuelle Menschen gleichermaßen ansprechen und einschließen.

Viel Fantasie beim Styling
In Sachen Styling zeigten die Teilnehmer viel Fantasie: Es gab Dragqueens, Teufel, Engel, Nonnen, Schlümpfe, knapp bekleidete Sambatänzerinnen, aber auch viel nackte Haut und bunt bemalte Körper zu bewundern. Nicht fehlen durfte auch die traditionelle Kutsche, die allerdings nicht von Pferden, sondern von sechs Personen gezogen wurde. Dieses Mal gab es sogar zwei dieser Fuhrwerke zu bewundern. Diese waren auch eines der beliebtesten Fotomotive der Zaungäste. Eine originelle Idee hatte auch eine andere Gruppe: Sie verteilte "Lutschtabletten" gegen Homophobie.

Insgesamt nahmen 43 Gruppen an der Parade teil, darunter mehrere geschmückte Trucks. Mit von der Partie war auch Hermes Phettberg, der in einem Fahrradtaxi chauffiert wurde. "Ich fahre jedes Mal mit", erzählte der bekennende Homosexuelle. Eine Promi-Jury, in der unter anderem die bärtige Kunstfigur Conchita Wurst und Life Ball-Organisator Gery Keszler saßen, prämierten die originellsten Teilnehmer. Für gute Stimmung bei der Parade sorgte auch die passende Musik: Viele Fahrzeuge waren mit Lautsprechern bestückt, aus denen laute Beats schallten.