Wien. Kredite aufzunehmen, um Schulden abzudecken: Diese Praxis gibt es in der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. "Die Vorgabe ist ein ausgeglichenes Budget. Und das ist uns auch mit einer Ausnahme in den letzten zehn Jahren immer gelungen", betont Friedrich Herzog, als IKG-Generalsekretär für die finanzielle Gebarung der Kultusgemeinde Wien verantwortlich.

12,1 Millionen Euro beträgt derzeit das Jahresbudget der IKG, zur Hälfte wird es für Personalkosten aufgewandt. "Die Kultusgemeinde kann letztendlich als Dienstleistungsbetrieb beschrieben werden - und wie jeder Dienstleistungsbetrieb ist der größte Faktor auf der Ausgabenseite der Personalaufwand."

Weitere große Posten sind hier mit zwei Millionen Euro die Subventionen für jüdische Organisationen und Vereine - das reicht von religiösen über kulturelle Initiativen bis hin zu den jüdischen Schulen. 300.000 Euro gibt es für sozial Bedürftige, weitere 450.000 Euro für jene, die ein Stipendium brauchen, weil sie das Schulgeld für die Zwi Perez Chajes-Schule, die von der IKG geführt wird, nicht ganz oder gar nicht aufbringen können.

Wo aber kommen die 12,1 Millionen her? Anders als in Deutschland kann die jüdische Gemeinde Wiens nur mit Mitteln der öffentlichen Hand nicht das Auslangen finden - dazu reichen die Subventionen und Förderungen nicht aus. Etwas über eine Million erhält die IKG Wien derzeit an öffentlichen Geldern. Das Gros davon geht auf eine Regelung aus dem Staatsvertrag zurück, wonach Religionsgemeinschaften wie die katholische Kirche, aber eben auch die IKG, die während der NS-Zeit einen finanziellen Schaden erlitten haben, entschädigt werden müssen. Da eine einmalige Zahlung nicht möglich war, wurde ein kleinerer, jährlicher Betrag festgeschrieben. Dieser findet sich jetzt auch noch im eben erst novellierten Israelitengesetz.

Demnach erhalten alle Kultusgemeinden Österreichs derzeit im Jahr 308.000 Euro und der Staat übernimmt die Gehälter von 23 Mitarbeitern. 74 Prozent dieser Mittel gehen an die IKG Wien, der Rest an die anderen vier Kultusgemeinden in Graz, Salzburg, Linz und Innsbruck. Die IKG Wien erhält darüber hinaus von der Stadt Wien Subventionen für die Erhaltung der Friedhöfe, "die aber in Kürze mit dem Friedhofsfondsgesetz und dem Inkrafttreten des Pflegefonds in Wien auslaufen". Kleinere Förderungen gibt es für kulturelle Veranstaltungen wie beispielsweise die Kantorenkonzerte im Stadttempel oder das jährliche Straßenfest am Judenplatz.

20 neue Häuser mit 800 Mietwohnungen

Das, was die Gemeinde erhält, sind allerdings die Immobilieneinnahmen. Zwei Drittel des Budgets werden aus ihnen bestritten. Einerseits bewirtschaftet die IKG hier rund 60 Häuser, die großteils bereits vor 1938 in ihrem Besitz waren. Die darin befindlichen Mietwohnungen werden laufend saniert und verbessert. Andererseits hat die IKG in den vergangenen Jahren an die 20 Häuser mit in etwa 800 Mietwohnungen neu erbaut. All das kostet natürlich Geld. Hier nimmt die IKG auch Kredite auf, was die Opposition regelmäßig auf den Plan ruft, da sie meint, dass dies eben nicht als Keine-Schulden-Mach-Politik zu bezeichnen sei.

Herzog betont jedoch, Ertragssteigerungen seien eben nur durch Investitionen zu erzielen - und die Rückzahlungen der Kredite seien immer durch Einnahmen aus den Objekten gedeckt. Dieses Konzept gehe auch auf. 1992 lagen die Immobilieneinnahmen bei zwei Millionen Euro, 2002 bei etwas mehr als sechs Millionen Euro. Heuer sind es mehr als neun Millionen Euro.

Eine weitere Einnahmequelle der IKG sind die Mitgliedsbeiträge in Gesamthöhe von 300.000 Euro. Der Einzelne muss hier, so er nicht sozial bedürftig ist, einheitlich 180 Euro pro Jahr zahlen. Dazu kommen noch Spenden sowie kleinere Einnahmeposten, wie etwa aus dem Verkauf der Tempelkarten, durch Beerdigungen oder Inseratenverkäufe in der Zeitung der IKG.