Wien. Die Stadt hat seit 2003 einen Plan: Der Masterplan Verkehr sieht vor, den motorisierten Individualverkehr zu senken. Die Reihung der Prioritäten der einzelnen Verkehrsarten: Fußgänger, öffentlicher Verkehr, Radverkehr und Autoverkehr. Die möglichen Wege dorthin sind unterschiedlich und so lud Wiens Bürgermeister Michael Häupl am Montag zu einem Thinktank zur Mobilitätsfrage. Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit kam ebenso wie zahlreicher Vertreter der Wirtschaft. Bis 2015 soll die Verkehrsmittelwahl der Wiener dem Konzept entsprechen. Für Verkehrsexperten Harald Frey sollte der Autoverkehr auf unter zehn Prozent reduziert werden. Dazu seien aber passende Strukturen und Strukturanpassungen notwendig.

"Wiener Zeitung":In 20 Jahren fahren alle Wiener nur noch mit dem Fahrrad oder gehen zu Fuß. Sieht so die Zukunft aus?

Harald Frey: Die Basis ist, einen nicht motorisierten Verkehr in der Stadt zu haben. Dafür muss ein Umdenken in der Planungsphilosophie stattfinden und zum Teil tut es das ja bereits. Es kann aber nicht sein, dass etwa Fahrradwege auf Fußgängerwege aufgepinselt werden. Hier geht es um eine dementsprechende Flächenverteilung. Das sieht man ja jetzt auch im Zuge der Parkraumbewirtschaftung. Die mit dem Parkpickerl frei gewordenen Flächen muss man jetzt nutzen.

Was passiert nun mit der Fläche der leeren Parkplätze?

Das ist eine wichtige Frage. Aus Erfahrung wissen wir, dass schnell etwas mit den nicht genutzten Parkplätzen passieren muss. Sonst werden wieder Autos gekauft oder die Autobesitzer kommen mit ihren Autos aus den Garagen.

Was könnte man damit machen?

Zum einen Fußgängerflächen, dort wo ein Abstellplatz aufgepinselt ist. Oder Schrägparker sofort in Längsparker umwidmen. Das wäre leicht möglich. In einigen Grätzeln könnte man Flanier- oder Grünbereiche schaffen. Ich hoffe, dass die Politik hier rasch etwas tun wird. Man kann auch in anderen Städten beobachten, dass die innere Stadtentwicklung einen immer stärkeren Stellenwert bekommt. Der Zusammenhalt der städtischen Struktur hängt von den Fußgängern, den öffentlichen Verkehrsmitteln und erst als Letztes den Autos ab. 90 Prozent des jetzigen Autoverkehrs wäre vermeidbar und verlagerbar.