Warum geht es eigentlich in Richtung autofreie Stadt? Wenn es keinen Platz mehr für Autos gibt, fahren auch weniger. Reguliert sich der Verkehr nicht von selbst?

Viele Städte in Europa haben bereits in den 1970er Jahren gesehen, dass sich das so nicht ausgeht. Der öffentliche Raum wurde immer stärker vom Auto besetzt. Dazu kommen Lärm- und Umweltverschmutzung. Der Straßenbau unterlag immer einem permanenten Versuch, ein selbstregulierendes System in ein dynamisches zu verändern. Das Verhalten der Leute ist ein Abbild der Strukturen. Je mehr Fahrbahnen man baut, desto mehr wird Auto gefahren. Ein wesentlicher Faktor ist, dass Treibstoff immer teurer wird. Heute Geld in den Straßenbau zu investieren, ist kontraproduktiv.

Welche Maßnahmen müssten gesetzt werden?

Einer der zentralsten Fehler ist sicher die Stellplatzverpflichtung. Jede errichtete Wohnung muss einen Stellplatz haben. 20 Prozent der Förderungen fließen im geförderten Wohnbau in den Bau von Parkplätzen. Das gehört abgeschafft. Berlin baut bereits ohne Stellplatzverpflichtung. In Zürich wird derzeit eine Novelle debattiert. Das Geld des U-Bahn-Baus sollte in Zukunft in den Bau von Straßenbahnen an der Oberfläche fließen. Ein Kilometer U-Bahn entspricht ein Vielfaches an Straßenbahnkolimetern.

Wie sieht die Zukunft des Verkehrsaufkommens in Wien aus?

In den nächsten Jahren sollte die Mobilitätskarte kommen. Eine Karte für verschiedene Anbieter; Car-Sharing, Bike-Sharing. In Paris und London ist das schon Realität. In zehn Jahren sollte auch bei uns die Mobilitätskarte Standard sein, bundesweit, so wie in der Schweiz. Den Verkehr kann man nicht isoliert betrachten. Dann sollte auch die Multimodalität in den Köpfen der Menschen Normalität geworden sein - und die Autonutzung die Ausnahme.

Bis es so weit ist, sind aber viele Pendler auf ihr Auto angewiesen.

Das sind die Versäumnisse der niederösterreichischen Raumordnungspolitik. Dort wurden beliebige Gebiete jenseits jeder öffentlichen Verkehrserschließung mit der Bahn gewidmet. Jetzt müsste Niederösterreich sehr viel in die Infrastruktur im öffentlichen Verkehr investieren und ihre Gemeinden vernetzen. Bis dahin helfen wohl nur P&R-Anlagen am Rande der Stadt.

Zur Person: Harald Frey
ist Verkehrsplaner und Wissenschafter an der TU.