Eine WG wie jede andere und doch etwas Besonderes: Jörg und Elisabeth in ihrer Küche. - © Jenis
Eine WG wie jede andere und doch etwas Besonderes: Jörg und Elisabeth in ihrer Küche. - © Jenis

Wien. Es ist kein gewöhnlicher Gemeindebau, der Oskar-Werner-Hof in der Lenaugasse 19 im 8. Bezirk. Ein Haus aus dem 18. Jahrhundert, nur drei Stockwerke hoch und vor allem mitten in der Stadt gelegen. Der Hoftrakt des Hauses, in dem sich die Stiege 4 befindet, erstaunt durch seine Anlage. Geht man über die Schneckenstiege, die noch in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben ist, in den ersten Stock, befindet man sich wieder ebenerdig: Eine Stützmauer an der Hinterfront gleicht den niveaubedingten Unterschied zwischen Lenaugasse und Buchfeldgasse im Erdgeschoßbereich aus.

Dass das Haus unter Denkmalschutz steht und nur eine enge Wendeltreppe im Außenbereich in die oberen Stockwerke führt, hat einen nachträglichen Einbau eines Lifts unmöglich gemacht. Das wiederum war einer der Gründe, warum die Idee geboren wurde, die Wohnung unterm Dach im dritten Stock zu einer Studentenwohnung auszubauen. 2011 wurde die Wohnung umgebaut, und aus einem großen Raum wurden mit Rigipswänden vier Einzelzimmer. Ein weiteres Zimmer war bereits vorhanden. Damit konnten mit Semesterbeginn im Oktober fünf Studierende in die 126 Quadratmeter große Wohnung einziehen. Neben den Einzelzimmern gibt es noch die Gemeinschaftsräume wie etwa das Bad mit Dusche und zwei Waschbecken, eine Küche und einen großen Aufenthaltsraum mit Essbereich.

390 Euro für ein Zimmer - und alles in allem


Jörg Sovinz, 29, aus der Steiermark, Moritz Hell, 22, aus Wien und Elisabeth Rümmele, 25, aus Tirol sind an diesem Dienstag zu Hause. Ihre Wohnungskolleginnen Sarah und Sandra sind bei Lehrveranstaltungen an der Uni. Kontakt mit anderen Mietern des Hauses haben die fünf wenig, "ja, im Stiegenhaus", erzählt Elisabeth. Beschwerden wegen lauter Musik gab es allerdings auch noch keine.

Für die Tirolerin war die WG ein Glückstreffer. Hatte sie bis kurz vor Semesterbeginn noch in Spanien gelebt, war sie mit der Suche nach einem Studentenheimplatz vor Semesterbeginn spät dran. Ein Anruf bei der Wihast, bei der auch ihre Eltern vor 30 Jahren einen Studentenheimplatz hatten, ergab dann den Vorschlag der WG. Denn die Anmeldungen für diese laufen wie die normalen Anmeldungen für einen Studentenheimplatz, wie Martin Strobel, Geschäftsführer der Wirtschaftshilfe der Arbeitsstudenten Österreichs (Wihast), erklärt.

Der Studentenheimbetreiber wurde vom Wohnbauressort der Stadt Wien mit der Vergabe der WG-Plätze und deren Verwaltung betraut. Sowohl für die Stadt als auch für die Wihast ist es eine neue Form, jungen Menschen, die zum Studieren nach Wien kommen, Wohnraum anzubieten. Seitens der Wihast ist es einer der teuersten der rund 3200 Wohnplätze, die sie im Angebot haben, berichtet Strobel. 390 Euro Gesamtmiete pro Zimmer zahlen die fünf Studenten, damit sind auch die Betriebskosten, Strom, Internet, Heizung und Fernsehen abgegolten - "wie bei jedem anderen Studentenheimplatz auch", fügt Strobel hinzu. Und wie bei einem normalen Studentenheimplatz müssen die Bewohner ihren Studienerfolg nachweisen.

Weitere Wohnform für junge Menschen im Gemeindebau


"Die Stadt Wien fördert im Rahmen der Wohnbauförderung auch Studentenheimplätze", betonte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig bei seinem Besuch in der WG am Dienstag. Seit 2007 wurden seitens der Stadt rund 90 Millionen Euro in den Bau und die Sanierung von Wohnheimen für Studierende und für junge Menschen in Ausbildung investiert. Rund 4500 Plätze wurden auf diese Weise geschaffen, heißt es aus dem Wohnbauressort.

Im Rahmen der "Jungwieneraktion" gibt es seit 2010 auch für Studierende die Möglichkeit, leichter an eine Gemeindewohnung zu kommen. Die Kooperation mit dem Studentenheimbetreiber und die Bereitstellung einer WG ist für den Wohnbaustadtrat eine weitere Form, um jungen Menschen "das tolle Ambiente eines Gemeindebaus" zugute kommen zu lassen, so Ludwig.