In der "Chefetage" haben die Ersten ihr Lager aufgeschlagen. Hier finden sie Ruhe und Schutz. - © Sorge
In der "Chefetage" haben die Ersten ihr Lager aufgeschlagen. Hier finden sie Ruhe und Schutz. - © Sorge

Wien. Um halb sieben Uhr am Abend ist vor dem Eingang des Gebäudes am Wiedner Gürtel 10 eine Menge los. Rund 20 Menschen sind da und warten darauf, eingelassen zu werden. Neben ihnen an der Wand hängt ein Schild. Es weist darauf hin, dass die Redaktion der "Wiener Zeitung", die sich bis Sommer hier befunden hat, nun im Media Quarter Marx daheim ist. Dafür wurde das Gebäude zum Zuhause für obdachlose Menschen, betreut von der Caritas.

Es ist ein Zusatzquartier zur "2. Gruft" in der Währinger Lacknergasse, die in der kalten Jahreszeit aus allen Nähten platzt. Bis April hat man nun hier Zuflucht gefunden. Im Erdgeschoß - früher Besprechungsbereich der "Wiener Zeitung" - ist die Beratungsstelle der "2. Gruft" untergebracht. Hier wird gemeinsam mit den Klienten versucht, Perspektiven abzuklären, sie zu beraten, ob und wie eine Heimkehr funktionieren könnte. Die Menschen, die hierher kommen, sind EU-Bürger, viele aus Rumänien, Bulgarien oder Polen, die auf der Suche nach dem Glück in Österreich strandeten.

Ehrenamtliche helfen mit


Im Eingangsbereich, der noch im Sommer mit Zeitungsportieren besetzt war, stehen nun vier Caritas-Mitarbeiter: Michael Herz (51), der Leiter der "2. Gruft", und sein Kollege Istvan Cseh-Szilagyi (43) haben heute Nachtdienst. Daniela Stiegner (41) ist ehrenamtlich nach ihrer Arbeit hergekommen, um bei der "Aufnahme" der Obdachlosen zu helfen. Die Arzt-Assistentin und dreifache Mutter hat bereits bei den Flüchtlingen in der Votivkirche geholfen und ist zum ersten Mal hier. Dalila Mudura (36) hat tagsüber schon in der Beratungsstelle gearbeitet. Die gebürtige Rumänin spricht fünf Sprachen und dolmetscht, wenn es Bedarf gibt, Ungarisch, Italienisch, Englisch, Deutsch. Sie beginnt im Februar für 30 Stunden hier zu arbeiten und schaut sich nun den Abendbetrieb an.

Geschichten, Geschichten


Kurz vor sieben Uhr - der Einlasszeit für die Notschlafstelle - fragt Michael bei den Helfern im 1. Stock nach, ob das Essen fertig hergerichtet ist. Konservenfisch, Streichkäse und Brot werden heute serviert. Auch die schwarzen Säcke mit den Namen der Obdachlosen - alle enthalten eine Matte und einen Schlafsack - sind hergerichtet. Nun kann es losgehen, die Schiebetür öffnet sich - und verschiedene Welten, Geschichten und Informationen dringen in das Gebäude. Das war auch zur Zeitungszeit des Hauses so, nur dass vorher die Geschichten mehr über die Journalisten und seltener "live" kamen.