Wien. "Nachdem ich 18 Monate im Gefängnis gesessen bin und danach zwei Jahre lang Probleme hatte, Arbeit zu finden, musste ich fahren", erinnert sich Jiri Chmel, Gründer des Kellerlokals "Nachtasyl" in Wien-Mariahilf. "Wäre ich nicht ausgereist, hätte ich weitere drei bis fünf Jahre sitzen müssen." Das gehe auch aus seinem Stasi-Akt hervor, den er unlängst erstmals zu Gesicht bekam, betont er.

Chmel war einer jener tschechischen Aktivisten, die 1977 die "Charta 77" unterschreiben, eine Petition gegen die Menschenrechtsverletzungen des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei. Verfolgungen und Repressalien der damaligen Regierung waren die Folge. Mit der "Staatssicherheitsaktion Asanace" (tschechisch: Sanieren) sollte die Bewegung der Aktivisten zerschlagen werden, man steckte sie ins Gefängnis und versuchte sie zur Ausreise zu zwingen. Bruno Kreisky garantierte den Aktivisten Asyl in Österreich, woraufhin etwa 400 Personen die Tschechoslowakei Richtung Wien verließen. Wie die meisten Exilanten wollte auch er weiter nach Übersee, doch er blieb wegen seiner Familie und arbeitete die ersten vier Jahre als Werkzeugmacher in einer kleinen Firma.

Täglich 200 Besucher


Danach eröffnete er 1987 das "Nachtasyl" als Ort für Redaktionssitzungen der Exil-Zeitung "Paternoster" und vor allem als Treffpunkt für die tschechische Diaspora. 80 Prozent der Besucher waren Tschechen, der restliche Anteil verteilte sich auf Slowaken und Österreicher, bestätigt Chmel. Er blickt zurück: "Wir hatten Glück, dass die damaligen Lokale Flex und Chelsea gerade drei Jahre geschlossen hatten. So kamen täglich durchschnittlich 200 Leute zu uns", er fügt stolz hinzu: "Alle waren hier. Das war eine schöne Zeit."

Prominente Gäste


Viele bekannte tschechische Exilmusiker wie etwa Karel Kryl oder Vlastimil Tresnak traten auf, viele Maler konnten ausstellen. Unter den Stammgästen waren unter anderem der Schriftsteller Pavel Kohout und Karel Schwarzenberg, derzeitiger Außenminister der Tschechischen Republik und zweiter Sieger bei den Präsidentschaftswahlen am vergangenen Wochenende. Jiri Chmel hätte seinen langjährigen Freund gerne als Präsidenten gesehen, denn: "Die Macht von Geld und Politik verdirbt die Menschen. Es gibt heute wenige anständige Leute in der tschechischen Politik." Schwarzenberg sei einer der letzten, denen man vertrauen könne, und: "Ich kenne ihn schließlich seit 30 Jahren." Voriges Jahr bekam der Betreiber des "Nachtasyls" vom tschechischen Außenminister den Staatspreis "Gratias Agit". Chmel gehört damit zu jenen Tschechen, die sich im Ausland besonders verdient um die Tschechische Republik gemacht haben.