Manche Autofahrer wissen nicht, dass Fahrräder, die breiter sind als 80cm, die Fahrbahn benutzen müssen. Foto: Bernold
Manche Autofahrer wissen nicht, dass Fahrräder, die breiter sind als 80cm, die Fahrbahn benutzen müssen. Foto: Bernold

Pascal Kellermayr ist Wiens einziger Fensterputzer, der mit dem Fahrrad kommt.

Vor zwei Wochen, erzählt Pascal Kellermayr, sei er gerade auf der
Ringstraße unterwegs gewesen, als ihn vor der Oper eine Polizeistreife
stoppte. "Warum fahren Sie nicht auf dem Radweg?", wollten die
Uniformierten wissen. "Weil ich nicht darf", antwortete Kellermayr und verwies auf die Straßenverkehrsordnung (StVO). Mit mehr als 80 Zentimeter Spurbreite ist sein Anhänger nämlich zu breit, um die Radwege zu nutzen. Und die meisten Strecken der Wiener Rad-Infrastruktur wären für sein Gefährt ohnehin zu schmal und zu
verwinkelt.

Die komplette Ausrüstung für Kellermayr und seine beiden Mitarbeiter findet im Anhänger Platz. Foto: Bernold
Die komplette Ausrüstung für Kellermayr und seine beiden Mitarbeiter findet im Anhänger Platz. Foto: Bernold

Seit mehr als zehn Jahren ist der 39-Jährige schon auf diese Weise
unterwegs: Mit einem Mountainbike zieht er das zwei Meter lange
Vehikel hinter sich her. "Ich bin kein Rad-Fanatiker oder Extrem-Sportler,  aber das Fahrrad ist für meine Firma einfach das beste Transportmittel", sagt der Unternehmer, der für sein  Dienstfahrzeug bereits im Jahr 2004 den Mobilitätspreis erhielt und ein Jahr später mit dem Umweltpreis der Stadt Wien ausgezeichnet  wurde.

Seinen Anfang nahm alles im Jahr 2001 als der HTL-Absolvent eine Saison lang bei einer Fensterreinigungsfirma in Graz arbeitete. Das Angestellt-Sein behagte ihm jedoch nicht sonderlich, und so machte sich Kellermayr im nächsten Jahr selbstständig. "Ich habe damals bereits ein Lastenrad benutzt, um mein Brennholz zu transportieren", erinnert er sich, "als ich mich dann selbstständig gemacht habe, war
es nur logisch, das Rad auch beruflich zu nutzen".

Das Rad als Kostenfaktor

Pascal Kellermayr nutzt sein Gefährt vor allem weil es kostengünstiger und effizienter ist als jeder Lkw. Foto: Bernold
Pascal Kellermayr nutzt sein Gefährt vor allem weil es kostengünstiger und effizienter ist als jeder Lkw. Foto: Bernold

Im heiß umkämpften Reinigungsmarkt sei das Fahrrad ein wesentlicher Faktor, um die Kosten seiner Firma niedrig zu halten. "Es ist eine Kampfbranche, in der viel über den Preis ausgetragen wird", erklärt er. Klimaschutz und umweltfreundliche Mobilität seien ihm wichtig. "Aber vor allen Dingen kommt das Fahrrad billiger kommt als jeder Lieferwagen." Er brauche nicht zu tanken, könne überall stehen und parken, sei kaum reparatur- oder servicebedürftig und im Winter – wenn die Fensterputzer Nebensaison haben – schade es dem Fahrzeug nicht, wenn es manchmal länger herumstehe. "Außerdem ist es ganz einfach schön und angenehm, damit unterwegs zu sein".

Auch Leitern lassen sich auf dem Anhänger fixieren. Foto: Bernold
Auch Leitern lassen sich auf dem Anhänger fixieren. Foto: Bernold

Seine Anhänger entwirft und baut Kellermayr selbst. Das voll gefederte Modell mit den breiten Mountainbike-Rädern und den kräftigen Bremsen, das er derzeit in Verwendung hat, ist bereits das sechste Modell. Die Konstruktion aus Plexiglas und Aluminium wiegt leer rund 25 Kilogramm, ist absperrbar und bietet rund zwei Kubikmeter Laderaum "Ich kann die gesamte Ausrüstung für mich und meine zwei Angestellten mitnehmen", erklärt er, "und dazu drei Leitern". Bis zu hundert Kilogramm transportiert Kellermayr so mitunter durch die Stadt.

Während der Fahrt: Kraft richtig einteilen

Massive Anhängerkupplung: Alles Eigenbau. Foto: Bernold
Massive Anhängerkupplung: Alles Eigenbau. Foto: Bernold

Dass der Weg zu seinen Kunden nicht immer eine Kinderjause ist, war schon in Graz so, und änderte sich auch nicht mit Kellermayrs Umzug von Graz nach Wien im Jahr 2002. Diese Woche zum Beispiel steuerte der Fensterputzer einen Kunden am Schafberg an. Die Fahrt vom Fünften in den 18. Bezirk führt stetig bergauf und durch den morgendlichen Stoßverkehr. Alles ohne Elektro-Zusatzantrieb. "Das geht schon", sagt Kellermayr: "man muss sich nur die Kraft richtig einteilen".

Mit einem Gefährt wie dem seinen unterwegs zu sein berge natürlich gewissen Risken, an die man als Radfahrer nicht automatisch denkt. Die ganze Last hängt hinten dran. Bei einer Notbremsung schiebt das ziemlich nach vorne", erklärt er. Mit vorausschauender Fahrweise gebe es aber keine Situation, die sich nicht meistern ließe: "seit zehn Jahren bin ich unfallfrei."

Verhältnis zu Autofahrern: Meistens problemlos

Mit den Autofahrern gibt es – betont Kellermayr – selten Probleme."Die meisten sind rücksichtvoll. Ab und zu öffnet sich eine Fensterscheibe und ein zorniger, roter Kopf erklärt mir, dass ich von der Straße verschwinden soll", lacht der Unternehmer: "Das sind die Leute, die nicht wissen, dass ich auf Radwegen nicht fahren darf". Gefährliche Situationen gebe es, wenn ihn Lkw knapp überholten. Dann gelte es, die Ruhe zu bewahren. "Du darfst dich nicht stressen lassen", sagt Kellermayr.