Wien. Beim Konzert des britischen Musikers Robbie Williams führten sie die Konzertbesucher zur Trabrennbahn Krieau. Bei der Critical Mass hatten sie Fahrgäste an Bord, die einmal die Rad-Parade erleben wollten, ohne selbst treten zu müssen. Und am Sonntag werden sie das Party-Volk zum FM4-La Boom Deluxe-Sonnenbad auf die Donauinsel transportieren.

Max Falkner und Andi Penninger - der eine Tourismus- und Lateinamerika Student aus Tirol, der andere gelernter Krankenpfleger aus Favoriten - sind Wiens neueste und schrillste Transport-Unternehmer. Diesen Sommer haben sich die beiden einen Traum verwirklicht und eigene Transporträder angeschafft. Seither firmieren sie als Freie Rikscha Fahrer Wien, einem Einzelunternehmer-Kollektiv, das bald weiter wachsen soll.

"Du wirst schneller braun als jeder andere. Du lernst unglaublich viele Leute kennen", schwärmt der 30-jährige Falkner und schiebt die Mundwinkel zum breiten Lachen: "Außerdem ist es die totale Entschleunigung. Sobald die Leute in der Rikscha sitzen, genießen sie die Langsamkeit und schauen sich jede Hausecke in Ruhe an."

Max freut sich über seinen Traumjob: "Ich bin lange nicht so fit gewesen wie heuer" - © Bernold
Max freut sich über seinen Traumjob: "Ich bin lange nicht so fit gewesen wie heuer" - © Bernold

Seit ein paar Jahren sind Fahrrad-Taxis auch auf den Straßen Wiens immer häufiger zu sehen. Drei größere Unternehmen teilen sich den Markt, bestätigt die Wirtschaftskammer: Faxi mit einer Flotte von zwölf länglichen Kabinen-Rollern, die auch mit Elektro-Zusatzantrieb ausgestattet sind, Velocityline und Free Willy.

Free Willy ist auch das Unternehmen, bei dem Max zu arbeiten begann, als er an einem Frühlingsmorgen aufwachte und beschloss, einen neuen Nebenjob zu beginnen. Er blätterte die Zeitungen durch und stieß auf die Job-Anzeige des Transport-Unternehmens. "Dort habe ich mich vorgestellt und war bald für die unterwegs." Das habe ihm einerseits extrem gut gefallen. Andererseits sei es ihm gegen den Strich gegangen, einen Teil der Einkünfte abliefern zu müssen. "Ich habe mich gefragt, wieso nicht selber eine Rikscha haben und unabhängig arbeiten?"

"Es kommt vor, dass wir hübsche Mädchen gratis mitfahren lassen"

- © Bernold
"Es kommt vor, dass wir hübsche Mädchen gratis mitfahren lassen"
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Wo kauft man eigentlich eine Rikscha?


Dieselbe Frage stellte sich damals auch der 27-jährige Andi Penninger, der nach Jahren als Krankenpfleger, "einmal raus wollte aus dem Spital" und der anfänglich im Dienste von Velocityline strampelte.

Der Entschluss war gefasst, damit aber noch nicht die Beschaffungsfrage geklärt. Denn: Wo kriegt man eine Rikscha eigentlich her? Irgendwann stieß Max auf die Annonce über ein Fahrrad der Fahrradwerkstatt in Reutlingen im Schwabenland. "Ich habe mir das Auto von meinen Eltern ausgeborgt, bin Ende Juni ins Ötztal gefahren, das Auto holen, und von dort nach Reutlingen." Max muss die Rikscha in ihre Einzelteile zerlegen und kehrt - nach einem weiteren Zwischenstopp in Tirol - nach Wien zurück: "Dort haben mir die Leute vom Fahrrad-Botendienst Hermes geholfen, das Rad zusammenzubauen. Inzwischen kenn ich mich selbst ganz gut mit der Technik aus."