Als Fahrradmechanikerin ist Gudrun Pollack noch eine Rarität in der männerdominierten Radbranche.

- © Wiener Zeitung, Eva Zelechowski
Als Fahrradmechanikerin ist Gudrun Pollack noch eine Rarität in der männerdominierten Radbranche.
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Emanzipierung in Österreich
Im Gegensatz zu Chile und Neuseeland dreht sich die Debatte in Österreich hauptsächlich um eine Verbesserung der Infrastruktur: gefärbte Radwege, grüne Wellen und die für viele Radler lästige verpflichtende Fahrradwegbenützung. "In Österreich hat eine Emanzipierung des Fahrradfahrens eher auf Vereinsebene stattgefunden", meint Radlobbyistin Stude. Rückblickend sehe sie sich als Pionierin. Ein Jahr nach ihrem ersten Besuch eines Jour fixe in der Planungswerkstatt im Rathaus war sie bereits im Vorstand der Radlobby – als erste Frau neben vier Männern. Ihre Aufgabe sei aber nicht, das Thema aus der weiblichen Perspektive anzugehen. Generell begrüße sie aber Initiativen wie "Frocks on Bikes" und "SkirtBike", die mehr Frauen fürs Radfahren begeistern wollen. Einen Emanzipierungsgedanken verfolge die IG-Fahrrad, ein Verein und Teil der Radlobby, mit Kursen für MigrantInnen. Mobilität und Unabhängigkeit spielten eine wesentliche Rolle bei der Integration.

Frauen als Zielgruppe zu entdecken stellt für Unternehmen eine Gratwanderung dar. Es gilt auf die Bedürfnisse von Frauen einzugehen und dabei nicht in plumpe Klischees abzustürzen. Einen Versuch wagte auch der ehemalige Fahrradmechaniker Laszlo Kruchio in Graz. Er eröffnete mit "Heels on Wheels" das erste Fahrradgeschäft für Frauen in Österreich. Das Konzept ist aufgegangen, das Geschäft brummt. "Der Andrang ist sehr groß, ich komme mit Bestellungen kaum nach", sagt Kruchio. "Ich habe in meiner jahrelangen Tätigkeit im Fahrradhandel bemerkt, dass Frauen sich weniger für technische Details interessieren, sondern mehr auf Farbe und Design eines Fahrrads achten." Dementsprechend finden sich in seinem Sortiment Deko, bunte Reifen und Klingeln, ohne dass es sich auf rosarote Barbie-Bikes begrenzt. Die Befürchtung, dass Frauen auf einen Mann im Shop negativ reagieren, habe sich nicht bestätigt. Für sein Team suche er noch eine Fahrradmechanikerin. "Aber von den wenigen, die ich in Graz kenne, hatten schon alle einen Job", so Kruchio.

Rarität Fahrradmechanikerin
Diesen Mangel an weiblichen Fahrradmechanikern versucht etwa Gudrun Pollack zu beheben. In Reparaturkursen speziell für Frauen, die von der ÖH, von WiFi und der IG Fahrrad organisiert werden, will sie ihr Wissen weitergeben und technisches Interesse bei den Teilnehmerinnen wecken. "Vielen Mädchen und jungen Frauen fällt es hier oft leichter, das Selbstvertrauen und den Zugang zum Werkzeug zu finden. Das sehe ich als meinen Beitrag", sagt Pollack.

Eines haben alle Projekte und Initiativen gemeinsam: Sie sollen Frauen fürs Radeln begeistern, sei es mittels Fokus auf Mode, Sicherheit oder Technik. Dabei werden auch kulturelle und sozioökonomische Bedürfnisse berücksichtigt. Es bleibt die Herausforderung, nicht in festgefahrenen Geschlechterklischees auf der Stelle zu treten. Ob nun mit Hosen- oder Minirock – beides Emanzipierungsmerkmale ihrer Zeit – symbolisiert das Fahrrad mehr als nur ein Verkehrsmittel. Es steht für Selbstbewusstsein, Unabhängigkeit, Fitness und Spaß gleichermaßen. Wie sehr sich das Engagement lohnt, ist etwa an den triumphierenden Worten einer Teilnehmerin des chilenischen Fahrradkurses "Bicimujer" zu hören: "Wenn ich Radfahren lernen kann, kann ich auch alles andere schaffen!"