Wien. Irgendwann rund um Silvester muss es begonnen haben. Erst steckten an einem Uferplatz an der Neuen Donau ein paar Holzstäbe in der Erde, behängt mit kleinen Teebeuteln. Später kamen Kerzen, Blumen und kleine Anhänger dazu. "Könnte ein Kraftplatz sein", mutmaßte "Hexenfreundin" U. Von einer modernen Hexe vielleicht? Das Magische hat in der Hauptstadt immerhin lange Tradition. Geschichten rund um Hexerei, Magie und spukende Wesen fesseln Einheimische und Touristen bis heute.

So wird über die alte Gluthmühle in Hütteldorf berichtet, dass in den Gemäuern einst eine waschechte Hexe gelebt habe. Und wenngleich die "Hexenmühle" inzwischen vielfach renoviert und umgebaut wurde, sollen sich dort immer wieder Geistererscheinungen zutragen. Zumindest berichten das Robert Bouchal und Gabriela Lukacs in ihrem Buch "Unheimliches Wien".

In der Donaustadt wiederum erinnert eine Gedenktafel an Elisabeth Plainacher. Sie wurde 1583 als Hexe verurteilt und hingerichtet - zumindest offiziell wird Plainacher als einziges Opfer der Hexenverfolgung in Wien geführt.

Wiens moderne Hexen

Wo aber trifft man Hexen in einer Zeit, in der sie längst nicht mehr verfolgt werden? Wie leben sie heute in Wien? Ein Geschäft in der Innenstadt soll mit zahlreichen Hexenutensilien aufwarten. Doch dann die große Enttäuschung: Der Shop hat seine Pforten für immer geschlossen. Ein Gespräch mit der ehemaligen Besitzerin ergibt, dass Hexerei wohl auch im 21. Jahrhundert noch zu Problemen führen kann.

Das scheint zumindest die Betreiber des Hexen- und Heidenstammtisches nicht zu stören. Diese treffen einander regelmäßig in einem Lokal in der Laudongasse, veröffentlichen die Termine unter feuerkreise.at und freuen sich über neue "Hexen, Heiden und Magier".

Zwar gibt es noch einige Hexenläden in Wien, allerdings bitten die meisten Inhaber um vorherige Terminvereinbarung. Und lassen durch Zusätze wie "Hellseher" oder "Kartenleser" skeptisch werden. Auch eine durch die Google-Suche ausgespuckte "Hexenschule" in der Wiener Innenstadt entpuppt sich als vermeintliche Geldmaschine - angegeben ist eine kostenpflichtige 0900-Nummer. Da wird der Wunsch nach einer umfassenden Aufarbeitungen des Hexenwesens in der Bundeshauptstadt immer größer - vielleicht mit einem Museum, wie es auf der steirischen Riegersburg bereits vor ein paar Jahren eingerichtet wurde.