Elektrisches Carsharing in Amsterdam (o.), flächendeckende Ladestationen in Oslo (u.). - © Corbis
Elektrisches Carsharing in Amsterdam (o.), flächendeckende Ladestationen in Oslo (u.). - © Corbis

Wien. Elektro-Mobilität wird immer wichtiger werden. Das zeigt etwa das Angebot an E-Fahrzeugen der Autohersteller, das sich nach eigenen Angaben bis 2015 verdoppeln wird. In Wien hält sich das Interesse der Bevölkerung noch in Grenzen, ganz im Gegensatz zu Oslo oder Amsterdam. In Tel Aviv scheiterte die Einführung von E-Pkw grandios. Die "Wiener Zeitung" hat sich nun in den vier Städten umgesehen, um die verschiedenen Herangehensweisen zu vergleichen.

1. Amsterdams hochgesteckte Ziele
von Tobias Müller

Amsterdam. Besucher kommen nicht umhin, sie zu sehen: Überall in der Amsterdamer Innenstadt tauchen in den vergangenen drei Jahren Aufladesäulen für Elektro-Autos auf. Ein Kabel baumelt daran, fertig zur Benutzung. Daneben prangt das Logo einer ambitionierten Initiative: "Amsterdam elektrisch", heißt sie, und passend zu Status und Allüre der Stadt will man nicht weniger sein als ein weltweiter Vorreiter elektrischen Verkehrs.

Im April soll die 1000. Aufladesäule betriebsbereit sein. Jeder Amsterdamer wird damit im Umkreis von 300 Metern eine solche zur Verfügung haben. Ende 2013 beschloss der Gemeinderat, diese Zahl bis 2016 noch zu verdoppeln. Dem liegt eine bemerkenswerte Langzeitvision zugrunde: 2040 sollen alle Autos in der Stadt elektrisch sein. Bisher sind es nach Angaben der Stadt etwa 1500, doch schon 2015 soll die Zahl bei 6000 liegen.

Erklärtes Ziel ist es, die Luftqualität der Grachtenmetropole zu verbessern. Im kommenden Jahr will man den EU-Richtlinien für Stickstoff-Ausstoß entsprechen. Deswegen subventioniert die Stadt auch die Anschaffung von Elektro-Fahrzeugen im betrieblichen Bereich: "Täglich fahren 3000 Lkw und 25.000 Lieferwagen in die Stadt und wieder heraus", erklärt Stijn ter Woerde, Sprecher der städtischen Verkehrsbehörde. "Die Emissionen eines Lkw sind so viel wie die von 100 Pkw."

Ob diese Zielsetzung erreicht wird, steht noch in den Sternen. Klar ist indes, dass die Bemühungen der Stadtregierung auf anderem Gebiet Synergieeffekte haben: So eröffnete das Car Sharing-Unternehmen Car2Go in Amsterdam 2011 erstmals eine Niederlassung mit ausschließlich elektrischen Fahrzeugen. Die umfasst inzwischen 300 Autos, deren Präsenz zur Akzeptanz brennstofffreien Verkehrs beiträgt. Dazu kommt, dass sich über die Abonnenten die praktische Erfahrung, ein elektrisches Auto zu benutzen, verbreitet.

Attraktiv für die Industrie


Amsterdam wird damit zusehends attraktiv für die entsprechende Industrie. Anfang 2013 eröffnete der US-amerikanische Hersteller Tesla in Amsterdam seinen europäischen Hauptsitz, zudem betreibt Tesla vor Ort ein Geschäft und ein Servicecenter. Da überrascht es nicht, dass BMW sein Elektro-Modell i3 im Oktober ebenfalls in der niederländischen Hauptstadt vorstellte. Erstmals fand ein solcher Anlass außerhalb Deutschlands statt.

Seit 2011 kann man in Amsterdam zudem elektrisch Taxi fahren: Taxi electric, weltweiter Pionier dieser Branche, steht Bewohnern und Besuchern mit einem Fuhrpark von 25 Nissan Leaf zur Verfügung. Hauptzielgruppe sind Geschäftsleute, so Sprecherin Christien Bosman. Vor allem zur Hauptverkehrszeit sind die Fahrzeuge gut belegt.

Als City-Marketingprojekt ist Elektro-Verkehr in Amsterdam bereits gelungen. Langfristig dürfte es auch ökologische Folgen haben - und nicht zuletzt kulturelle, da die Begegnung mit elektrischem Verkehr im Alltag immer selbstverständlicher wird.

2. Oslos Kabelsalat
von Alexander Dworzak

Kabelsalat regiert in der Osloer Roald Amundsens gate. Nur rund 50 Meter von der Straße entfernt befindet sich das Rathaus der norwegischen Hauptstadt, in unmittelbarer Nähe liegen auch das Nationaltheater, das königliche Schloss und die Shoppingmeile Karl Johans gate. Oslo zählt zu den teuersten Städten der Welt, dieses Viertel erst recht. Doch die Lenker der zehn Elektroautos, die in der Roald Amundsens gate stehen, zahlen keine einzige norwegische Krone - weder dafür, dass sie ihre meterlangen Ladekabel an die Akkustationen andocken. Noch für das Parken im Herzen Oslos.

Wer in Norwegen Zeit, Geld und Nerven sparen will, legt sich ein E-Auto zu. Denn weder ist die Mehrwertsteuer in Höhe von 25 Prozent zu entrichten, noch fallen Abgaben für Zulassung und Import - deren Steuer auch von den CO2-Emissionen des Autos abhängig ist - oder Zoll an. Kostet der elektroangetriebene Kompaktwagen Nissan Leaf gegenüber dem konventionellen VW Golf in Österreich in der Basisversion rund 8400 Euro mehr, ist das Fahrzeug der japanischen Marke im Hochpreisland Norwegen um umgerechnet 2700 Euro günstiger als der Volkswagen. In Oslo stehen zudem nicht nur für Elektromobile reservierte Gratis-Parkplätze im gesamten Stadtgebiet zur Verfügung, den Lenkern wird auch die City-Maut erlassen. Die Elektrofahrzeuge, erkennbar in Norwegen an ihren mit "EL" beginnenden Nummerntafeln, dürfen sogar die Fahrspuren der öffentlichen Busse mitnutzen.