Dank der vielen Vergünstigungen stürmen die Norweger die Verkaufsräume jener Autohersteller, die auch Elektrofahrzeuge anbieten. So verkaufte Nissan vom Leaf 2013 mehr als 4600 Stück; der Wagen war damit das drittmeistverkaufte Auto im Land. Teslas Limousine S schaffte es trotz eines Preises von umgerechnet rund 80.000 Euro im September und Dezember gar an die Spitze des Rankings. Insgesamt wurden knapp 7900 E-Autos im hohen Norden 2013 abgesetzt. Zum Vergleich: In Österreich konnten alle Anbieter von Elektromodellen lediglich 654 Autos im vergangenen Jahr an Mann und Frau bringen - und das, obwohl der norwegische Automarkt nicht einmal halb so groß wie der heimische ist.

Oslo rüstet um


Mittlerweile ist jeder zehnte neu zugelassene Pkw in Norwegen ein Elektrofahrzeug. Oslo befeuert den Boom: 700 städtische Ladestationen stehen in der 600.000-Einwohner-Stadt zur Verfügung, Ende 2014 sollen es bereits 900 sein - zusätzlich zu den rund 1000 privat betriebenen Ladestationen. Die Stadtverwaltung tauscht ihre Flotte von 1000 Pkw bis 2015 gegen Elektrofahrzeuge ein. Auch die Busse der Verkehrsbetriebe sollen bis 2020 auf Elektroantrieb umgestellt werden. Kompromisslos setzt Norwegens Kapitale ihr Ziel um, bis 2030 den Ausstoß von Treibhausgasen zu halbieren. Denn Oslo wächst in den kommenden zwei Jahrzehnten rasant; bis zu 200.000 weitere Einwohner werden prognostiziert. Schon heute leiden die Bürger unter der Inversionswetterlage.

Der Elektroauto-Boom bereitet aber auch Kopfzerbrechen: Parkplätze werden mancherorts knapp, mitbenutzte Busspuren könnten eines Tages verstopft sein. Bis 2018 will die Regierung die Steuervorteile aufrechterhalten, oder wenn 50.000 E-Autos verkauft sind. Steigen die Verkaufszahlen weiter so rapide, könnte es vielleicht schon in zwei Jahren so weit sein.

3. Abwarten in Wien
von Bernd Vasari

Wien. Nach einem kleinen Ruck, der die Fahrgäste durchschüttelt, beginnt die Fahrt. Der elektrisch betriebene Linienbus bringt gleich beim Anfahren die volle Leistung auf die Straße. Seit Sommer 2013 verkehren in Wien mit den Citybussen 2A und 3A die ersten Öffi-Busse, die elektrisch betrieben werden. Geladen werden die neuen Fahrzeuge durch einen Stromabnehmer am Dach des Busses, der in den Ladestationen der Endhaltestelle (Schwarzenbergplatz und Schottenring) per Knopfdruck hoch- und runtergefahren wird. Diese Aufladung dauert maximal 15 Minuten. Über Nacht werden die Busse dann in der Busgarage Ottakring langsam mit einer Leistung von 15 Kilowatt aufgeladen. 12 Busse sind derzeit unterwegs.

Doch abseits der beiden Buslinien bekommt man in Wien kaum ein elektrisch betriebenes Fahrzeug zu Gesicht. Die Zahlen der Neuzulassungen sprechen eine deutliche Sprache. Im Jahr 2013 wurden von insgesamt 81.691 Kraftfahrzeugen nur 259 reine E-Autos zugelassen, davon 94 Pkw. Die Ursachen des nicht vorhandenen Interesses liegen auf der Hand. Schließlich fehlt es an Grundlegendem wie der Infrastruktur. Zwar gibt es Ladepunkte, aber niemand kennt die genaue Anzahl. Grund dafür ist die große Anzahl von Inselverzeichnissen der einzelnen Unternehmen, in denen man nur die hauseigenen Ladestellen einsehen kann. Aber auch über die eigenen Produkte liefern die Listen großteils nur mangelhafte Informationen. So zeigt etwa nur der Anbieter Smatrics, welche Ladestation gerade frei ist.

"Das ist eine Markteinführungsbarriere für Nutzer", kritisiert Heimo Aichmaier, Geschäftsführer der Technologiefirmen-Plattform Austrian Mobile Power (AMP). "Als Kunde weiß ich nicht, wo der richtige Ladepunkt für meine Technik, für mein Fahrzeug und für meine Ladeleistung ist, die ich gerade brauche."

"Politik muss handeln"


Er nimmt die Politik in die Pflicht, die sich zwar in Form der Bundesregierung mit dem "Umsetzungsplan Elektromobilität" zu E-Mobilität bekannt habe, aber keine weiteren Schritte folgen ließ. "Wenn die Bundesregierung die Umsetzung mit den Maßnahmen aus dem Umsetzungsplan Elektromobilität in Österreich ernsthaft vorantreiben will, müssen dringend marktkonforme Bündel intelligenter Anreize gesetzt werden", so Aichmaier. Darunter fallen Steuererleichterungen und Sachbezugsbefreiungen für voll- und teilelektrische E-Fahrzeuge, aber auch gezielte Förderungen für Forschung und Weiterentwicklung intelligenter Komponenten und Bauteile für Fahrzeuge und Ladeinfrastrukturen.

Steuerliche Anreize bestehen in Österreich derzeit nur bei der Normverbrauchsabgabe (Nova), die man sich beim Kauf eines ausschließlich elektrisch betriebenen Fahrzeuges spart.

4. Doch keine E-Autos in Tel Aviv
von Andreas Hackl

Tel Aviv. Lange hatte es so ausgesehen, als würde Israel zum Sprungbrett für eine globale Revolution der Elektromobilität werden. "Wie würden Sie ein ganzes Land ohne Öl instand halten?", fragte Shai Agassi, Gründer des Unternehmens Better Place, noch 2009. "Wenn wir ein gesamtes Land zum Gebrauch von Elektroautos konvertieren könnten und das auch noch erschwinglich und bequem ist, dann haben wir die Lösung."

Im Jahr 2011 eröffnete Better Place die erste automatisierte Elektrotankstelle in Israel und baute das Netzwerk Schritt für Schritt aus. Doch schon vier Jahre später fand die Elektro-Revolution ein nüchternes Ende: Das Unternehmen stellte im Mai 2013 den Insolvenzantrag.

"Ich war erschüttert, dass all die Millionen, die in das Projekt investiert wurden, in Luft aufgingen", sagt die Umweltökonomin Dafna DiSegni, eine der ersten Käuferinnen des elektro-betriebenen Renault Fluence von Better Place. Firmengründer Shai Agassi hatte ganze 850 Million US-Dollar an Investitionen eingeholt und expandierte auch in Dänemark. Seine Ziele waren hochgesteckt: schon 2011 würden 5000 Elektroautos verkauft sein, und 2016 sollten sie eine Mehrheit auf Israels Straßen bilden.