Letztlich fanden sich aber kaum mehr als 1000 Kunden. Nach großen Verlusten musste Agassi 2012 seine Firma verlassen. Auch wenn mittlerweile neue Investoren versuchen, die Infrastruktur von Better Place weiter auszubauen und die Idee zu beleben, scheint der Abwärtstrend unumkehrbar. Dafür nimmt die Elektromobilität in der Stadt Tel Aviv stark zu. Nur liegen hier statt Autos vor allem Elektro-Roller und Fahrräder im Trend.

2 E-Buslinien verkehren in Wien , E-Roller sind hingegen in Tel Aviv im Trend. - © Wiener Linien, TLVspot.com
2 E-Buslinien verkehren in Wien , E-Roller sind hingegen in Tel Aviv im Trend. - © Wiener Linien, TLVspot.com

"Nur als Zweitauto"


War Better Place dem Markt voraus? Das Konzept dahinter war durchaus erfolgsversprechend: ähnlich wie bei Mobilfunkverträgen kauften Better Place Kunden nicht nur ein Elektro-Auto, sondern auch ein festgesetztes Energiepaket dessen Preis an Fahrtenkilometer gebunden war. Bei einem Paket von 20.000 Kilometer pro Jahr zahlte der Kunde 2011 noch rund 230 Euro im Monat. Bei 30.000 Kilometer stieg die monatliche Rate auf rund 330 Euro. Zusätzlich hatte jeder Kunde Zugang zu dutzenden roboterbetriebenen Elektrotankstellen im Land, an denen Batterien in nur wenigen Minuten ausgetauscht werden.

Dafna DiSegni hatte 2012 den Strom für drei Jahre im Voraus bezahlt. Geld, das sie nicht mehr zurückbekommt. Jetzt zahlt sie fürs "Tanken" über eine normale Stromrechnung. "Es ist trotzdem viel billiger als Benzin. Ich weiß gar nicht mehr, wie eine Tankstelle von innen aussieht."

Nur: Der elektrobetriebene Renault war immer nur als Zweitauto gedacht. Damit ist sie wohl auch eine typische Better Place Kundin, was einen Teil des Problems erklärt. "Es war von vornherein klar, dass es nur ein Zweitauto sein kann. Die Möglichkeiten sind limitiert, auch wegen der Reichweite einer Batterie", so DeSegni. Ungewissheit und Risiko hinter dem Kauf verhinderten letztlich, dass der Funke von der ersten Käufergeneration auf die Massen überging. Doch viele in Israel sind auch enttäuscht über die eigene Regierung. Sie habe tatenlos zugesehen, wie eine weltweit gelobte Bewegung für ökologische Innovation und saubere Energie an den Kräften des freien Markts scheiterte. "Israel hat eine Chance verspielt, in diesem Feld weltführend zu werden."