Wien. Sie fahren in Barcelona, Mexiko City, Brüssel und Montreal. In New York City, wo das System 2013 mit Pomp vorgestellt wurde, zeigen sich Schauspieler und Prominente damit: In rund 300 Städten auf allen Kontinenten gehören Leihräder inzwischen zum urbanen Alltag.

Was viele Städte erst kürzlich für sich entdeckt haben, ist in Wien bereits ein alter Hut. Seit dem Jahr 1997 gibt es Leihräder hier. 2002 übernahm das Werbeplakate-Unternehmen Gewista die Citybikes im Auftrag der Stadt und errichtete ein für damalige Standards fortschrittliches System. Dass sich der Vertrag mit der Gewista heuer seinem vorläufigen Ende nähert, ist für die Stadtverwaltung der Anlass, über die Zukunft der Leihräder nachzudenken: Derzeit nimmt das Consulting-Unternehmen Rosinak&Partner das bestehende System unter die Lupe.

"Wir lassen die Effizienz evaluieren", bestätigt Martin Blum von der Mobilitätsagentur, der für die MA 28 den Studien-Auftrag an Rosinak erteilte: "Die Stadt könnte nach Vorliegen der Studie einen Vertrag mit einem neuen Anbieter schließen." Es bestehe aber auch die Möglichkeit, dass die Gewista beauftragt wird, weitere Stationen zu errichten.

Geht es allein nach den Pressemitteilungen der Gewista, dann ist City Bike Vienna eine uneingeschränkte Erfolgsgeschichte. Zuletzt präsentierte das Unternehmen für 2013 wieder neue "Rekordzahlen" und Steigerungen bei Fahrten und Neuanmeldungen. 790.084 Fahrten, ein Plus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr, wurden registriert - die "Wiener Zeitung" hat berichtet.

Bekannt sind allerdings auch die Schwachpunkte des bestehenden Systems, die jetzt in der Studie herausgearbeitet werden sollen. Vor allem die Dichte des Netzes lässt zu wünschen übrig: Während etwa in Paris innerhalb eines Radius von zwei Kilometern durchschnittlich 120 Entlehn-Stationen zu finden sind, ist es in Wien nicht einmal ein Viertel davon. Auch verglichen mit Städten wie London (86 Stationen), Sevilla (67) oder Brüssel (47) rangiert Wien mit durchschnittlich 31 Stationen im 2-Kilometer-Radius weit abgeschlagen.

Schlusslicht in Sachen Dichte

Gerade die Dichte der Stationen ist allerdings ein Schlüssel-Kriterium für die Nutzung und die Zahl der zurückgelegten Kilometer: Wer sich ein Leihrad borgt, will dann nicht einen Kilometer bis zu seinem Ziel gehen müssen. Vor allem dann nicht, wenn daneben - so wie in Wien - ein äußerst effizientes öffentliches Verkehrsnetz besteht. "Meine Hoffnung ist, dass die Verdichtung voran getrieben wird", erklärt City Bike-Chef Hans-Erich Dechant: "Dichte Systeme schneiden im Vergleich am besten ab. Da ist die Auslastung pro Rad besser. Wien liegt da leider ganz hinten."