Wien. "Lichtspiele" steht noch über dem Eingangsportal. Wenn das Metro Kino nach einer Schließzeit von rund zweieinhalb Jahren im Herbst wieder öffnet, will es weit mehr sein als eine Abspielstätte für Laufbilder. "Wir bekommen", sagte Filmarchiv-Chef Ernst Kieninger bei der Führung durch die Baustelle am Donnerstag, "ein erweitertes Präsentationsspektrum über die Leinwand des Kinos hinaus."

2002 hat das Filmarchiv das Kino übernommen. Nachdem zwei weitere Etagen über dem Kino verfügbar wurden, erweiterte das Filmarchiv das Projekt und baut das Gebäude nun zu einem Kinokulturhaus aus - nur das oberste Stockwerk gehört nicht zum Projekt. Ursprünglich sollte das Kino bereits im Herbst 2012 wiedereröffnet werden. Doch als im Frühjahr 2012 auch die dritte Etage frei wurde, disponierte man um, das Projektvolumen wurde mehr als doppelt so groß.

Einblicke hinter die Kulissen des Kinobetriebs


Inzwischen ist kein Stein auf dem anderen geblieben - nur der Kinosaal im Erdgeschoß blieb nahezu unberührt. Die alten Raumstrukturen wurden revitalisiert, Überschichtungen und Einbauten aus den Nachkriegsjahren entfernt. Das Foyer - wie der Saal unter Denkmalschutz stehend - öffnet sich nun in den Saal hinein. Es wird eine Glaswand geben, die Einblick in den Kinosaal ermöglicht, davor soll ein Shop entstehen. Bei Spielbetrieb - wenn der Vorhang vor der Leinwand sich öffnet - wird der Vorhang vor dieser Glaswand geschlossen.

Links neben der Holzstiege wurde ein Lift eingebaut - und ein "schwebendes" Stiegenhaus, durch das man die gesamten 25 Höhenmeter des Kinokulturhauses überblicken kann. Im Mezzanin wurde das großzügige Balkonfoyer wieder freigelegt. Die Vorführkabine ist zentral platziert und kann umrundet werden. Auch hier öffnet eine Glaswand den Blick für die Zuschauer - in diesem Fall auf die Technik hinter der Projektion. Das Studiokino im ersten Obergeschoß, in der Bel Etage des Hauses, verfügt ebenfalls über eine solche Abspielkammer, die im Stiegenhaus beim Aufgang zu sehen ist. Beide Vorführräume verfügen über alle Abspielmöglichkeiten - neben digital auch analog.

Im zweiten Obergeschoß werden Sichtungsstationen eingerichtet. "Wir haben den Anspruch, so etwas wie die Nationalbibliothek der Laufbilder zu sein", erklärt Kieninger den Ansatz, das bereits digitalisierte Material des Filmarchivs zur Verfügung stellen zu wollen.

Die Projektkosten belaufen sich auf 1,6 Millionen Euro, die zu 80 Prozent privat finanziert wurden. Für den weiteren Betrieb sei man aktuell in Gesprächen mit Sponsoren, so Kieninger.

Das ambitionierte Eröffnungsprogramm soll Ende September die gesamten Möglichkeiten des Kinokulturhauses ausnutzen. So soll eine Eröffnungsausstellung erstmalig in Österreich eine große Schau zur Vor- und Frühgeschichte des Films zeigen. Die Filmschau "Krieg der Bilder" setzt sich mit dem Ersten Weltkrieg als erstem Medienkrieg der Geschichte auseinander. Die Viennale zeigt in Kooperation mit dem Filmarchiv das Projekt "Peter Handke geht ins Kino".