Wien. Wieder nix! Die Golf-Fluglinie Emirates muss sich bei den Flugrechten ab Wien weiter mit einem Provisorium begnügen - in dem seit Sonntag geltenden Sommerflugplan bekommt Emirates wieder nur 13 Flüge pro Woche von Wien nach Dubai genehmigt.

Während man bei der Airline selbst nach den jahrelangen vergeblichen Bemühungen um den 14. Flug und die Ratifizierung eines langfristigen Abkommens mittlerweile eher lakonisch reagiert - "Es gibt leider nichts Neues, die Gespräche gehen weiter" -, ist die Empörung in Wiens Tourismuswirtschaft groß: "Wir brauchen jeden Flieger!"

"Wien braucht überhaupt noch viel mehr internationale Flugverbindungen, sonst ist unter anderem seine Position als Kongresshauptstadt in Gefahr", betonte Josef Bitzinger, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Wien, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Drei Viertel aller zu einem Kongress anreisenden Gäste kämen mit dem Flugzeug an, insgesamt landet fast jeder zweite ausländische Wien-Besucher in Schwechat.

Im Fall Emirates ärgert den obersten Interessenvertreter der Wiener Tourismus- und Freizeitwirtschaft schon seit dem Vorjahr das damals zusätzlich ausgesprochene Landeverbot für den von der rasch wachsenden Golf-Airline immer öfter auch in Europa eingesetzten Großraum-Airbus A 380. "Österreich ist aktuell das einzige Land in Europa, wo dieser neue Riesenjet nicht landen darf. Das ist für die Wiener Tourismuswirtschaft eine Katastrophe."

Arabische Gäste seien für die Wiener Tourismuswirtschaft sehr wichtig, betont man auch beim Wien-Tourismus. Während es 2012 bei den Ankünften aus den arabischen Ländern ein Plus im zweistelligen Prozentbereich gab - aus Saudi-Arabien kamen sogar um 60 Prozent mehr Gäste als im Jahr davor -, drohen nun andere europäische Städte Wien den Rang in der Gunst der besonders kaufkräftigen Einkaufstouristen abzulaufen, wird befürchtet.

Emirates selbst hatte 2012 in Wien-Schwechat rund 350.000 Passagiere. 2013 kompensierte man den nicht genehmigten 14. Flug teils durch den Einsatz eines größeren Flugzeuges und steigerte die Passagierzahl noch einmal um mehr als 20.000. Weitere Steigerungen wären wohl nur mit dem 14. Flug zu erreichen.

Superjumbo blockiert


Oder mit dem gut 500 Passagiere fassenden A380. Der aber darf in Wien nicht landen - obwohl laut Flughafen-Management der Airport nach den im Vorjahr abgeschlossenen Landebahn-Erweiterungen technisch durchaus dafür gerüstet wäre.

Während in Wien die Behörden den Superjumbo blockieren - dem Vernehmen nach sind es nicht das Verkehrsministerium oder die Austro Control, die sich querlegen, sondern das für internationale Luftfahrtabkommen letztlich zuständige Außenministerium -, fliegt die rasch wachsende Airline aus Dubai inzwischen München und Zürich sogar zweimal täglich mit ihrem Flagschiff A380 an. "Emirates fliegt seit dem 30. März 2014 ab der bayerischen Landeshauptstadt ausschließlich mit dem größten Passagierflugzeug der Welt und stockt damit die wöchentliche Kapazität ab München um fast 1800 Sitze auf", hieß es jüngst in einer Aussendung der Airline. Zusatz: "München ist auch für Passagiere aus Westösterreich ein beliebter und wichtiger Abflug- bzw. Zielflughafen."

Vom ihrem immer wichtiger werdenden - und deshalb die internationalen Konkurrenz, vor allem die AUA-Mutter Lufthansa, zunehmend beunruhigenden - Drehkreuz Dubai aus steuert Emirates seit heuer auch Barcelona an - ein harter Rivale Wiens um den Titel "Kongresshauptstadt Europas". Auch Mailand - mit einem Weiterflug nach New York - und Oslo stehen neuerdings auf dem Emirates-Flugplan.

Ein Beispiel für die "Katastrophe" ärgert Bitzinger besonders: "Da hat Österreich unverständlicherweise Emirates seit dem Vorjahr sogar die gemeinsame Flugnummer für die Mega-Kooperation mit der australischen Qantas nicht genehmigt - obwohl die AUA schon lange nicht mehr nach Australien fliegt", schildert er. "Das hat dazu geführt, dass Wien nicht in der weltweiten großen Marketing-Kampagne von Emirates/Qantas mitbeworben wurde. Während gleichzeitig die Österreich-Werbung eine große Aktion um die Gunst der kaufkräftigen und zunehmend reisefreudigen Australier fuhr, fanden die auf der Homepage ihrer Fluglinie 33 europäische Destinationen angepriesen, nur Wien nicht."

"Wir brauchen jede Werbung für Wien, um unsere aktuell exzellente Tourismusposition zu behalten und weiter auszubauen", betont Bitzinger. Denn die "durchaus erfreulichen" Zuwachsraten des Wien-Tourismus in den ersten beiden Monaten 2014 - kumuliert gab es bei den Nächtigungszahlen ein Plus von 6,5 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres - dürften nicht überbewertet werden, warnt Bitzinger. Denn einerseits zeichnete sich für den März wieder eine schlechtere Entwicklung ab: "Genaue Zahlen liegen nicht vor, aber ich höre mehr Gejammer als sonst."

Und andererseits dürfe man nicht außer Acht lassen, dass auch die Bettenanzahl stark gestiegen sei: "Ein wirkliches Auslastungsplus ist daher viel schwerer zu erreichen."