Wien. Sie heißen Nora, Betty, Hermann, Johann, Ludwig, Rasputin, Morchl, Peter, Pale & Mary. Die Rede ist von Bier. Keines von der Stange. Kreativ, wie die Namensgebung, sind auch die Geschmäcker: Von fruchtig-leicht bis herb-bitter reichen die Aromen jener Biere, die beim ersten Wiener Craft Bier Fest am kommenden Wochenende an der "Adria Wien" bei der Salztorbrücke verkostet werden können.

"Breaking Bad" auf Wienerisch

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Die Geschichte erinnert ein wenig an die des Chemielehrers Walter White aus der amerikanischen Serie "Breaking Bad". Der EDV-Trainer Franz Xaver Lughofer begann vor sechs Jahren, in seiner Küche mit Hopfen, Malz und Hefe zu experimentieren. Und wie das Leben so spielt, schmeckte das Gebräu auch Verwandten, Freunden und Bekannten. Vor rund einem Jahr tat sich Lughofer mit seinem Jugendfreund, Thomas Haginger, zusammen. Wie es der Zufall so wollte, kauften sie auf einem Ausflug nach Brunn am Gebirge dem Bierzauberer Günther Thömmes eine Brauanlage ab und begannen in der eigenen Brauerei Rezepte von Kochtopfmengen auf Kesselgröße umzulegen. "Mit einer Anlage zu brauen ist lustiger und weniger anstrengend", meint Lughofer, der das Brauen aus Büchern und dem Internet lernte. "Brauen besteht größtenteils aus Warten und Reinigen", erzählt Haginger.

Zurück zur Handarbeit

Seit Jänner dieses Jahres brauen die beiden in ihrer Brauerei "Xaver" im 16. Bezirk pro Sud etwa 160 bis 170 Liter Bier, das entspricht rund 500 Flaschen. Paarweise händisch abgefüllt, einzeln verschlossen und etikettiert. Einen Stundenlohn für die zwei Euro teure Flasche möchten sich die beiden, die neben ihrer EDV-Tätigkeit nach "etwas Handfestem, als Ausgleich zur virtuellen Welt des Internets" strebten, gar nicht erst ausrechnen.

Lughofer und Haginger brauen Biertypen, die in Österreich weitgehend unbekannt sind und sehen es als Mission, diese hierzulande bekannt zu machen. "Wir wollen den Leuten die Vielfalt der Bierwelt zeigen." Sie brauen, was ihnen schmeckt und was in Österreich eher unüblich ist. Obergäriges vom Typ Wit, Pale Ale und Stout. "Obergärige Biere werden mit einer Hefe gebraut, die für die Gärung warme Temperaturen etwa um zwanzig Grad verlangt", erklärt Lughofer. Geschmacklich eher mild und süffig wurden Getränke solcher Brauart vornehmlich vor der Erfindung der Kältemaschinen hergestellt. Ihr Pale Ale schimmert sonnig in einem leuchtend rötlichen Orange und duftet nach einer Sommerwiese.

"Unser Stout schmeckt wunderbar mit einer Rumkugel", erzählt Lughofer über sein derzeitiges Lieblingsbier. Das dunkle Bier aus gerösteter Gerste und Gerstenmalz sieht nicht nur wie ein pechschwarzer Caffè corretto aus, sondern schmeckt auch so. Ihr Wit-Bier, ein hellgelb leuchtend trübes Weizenbier nach belgischer Tradition ist "mit Bitterorangen und Koriander eingebraut", erklären die beiden Jungbrauer.

Um eine Förderung zu bekommen, mussten Lughofer und Haginger einen Businessplan machen. "Wir werden in ein bis zwei Jahren schauen, ob der sich bewahrheitet." Gerade entwickeln sie ihre vierte Biersorte: ein belgisches Saisonbier. "Ein helles, stark gehopftes obergäriges Bier", erklären sie.

Hundert Biersorten im Jahr

Ähnliches wie Lughofer und Haginger tat auch der dänische Mathematik- und Physiklehrer Mikkel Borg Bjergsø vor zehn Jahren in seiner Küche in Kopenhagen und ist heute einer der kreativsten Craft-Bier-Brauer der Welt. Mit seinem Freund Kristian Keller gründete Bjergsø "Mikkeller". Mit viel Wissen aus Büchern und Internet und viel Kreativität braut er, mittlerweile ohne seinen Freund, aber auch ohne eigene Brauerei, seine Biere vornehmlich in Belgien. "In der Ausbildung lernst du, was möglich ist, und das hält dich auf vielerlei Weise zurück", erzählt Bjergsø, den oft Menschen zu seinen Bieren inspirieren und der die geschmacklichen Möglichkeiten des Bieres gern auf die Spitze treibt. "Die ersten sechs bis sieben Biere, die ich gebraut habe, waren nix, danach schmeckten sie schon ziemlich gut", meint der Däne, der mittlerweile an die hundert verschiedene Biere pro Jahr braut. Auch ihm ist es wichtig, den Menschen den exquisiten Geschmack des Bieres nahezubringen.

"Wenn man einen Barmann vor fünf Jahren gefragt hat, was sein Lieblingsbier ist, antwortete der noch, es wäre Carlsberg. Seither sind spezielle Bierkreationen auch in den weltbesten Restaurants, wie das Noma in Kopenhagen, akzeptiert und bieten durchaus eine Alternative zu Wein als Speisebegleiter." Inspiriert vom Essen und dem Küchenchef des Restaurants Mielcke & Hurtigkarl, Jakob Mielcke, braute er fünf Biere. Diese entsprechen den fünf Geschmacksrichtungen süß, sauer, bitter, salzig und umami, der fleischig, herzhafte, vollmundige Geschmack, der durch Glutaminsäure hervorgerufen wird und in Speisen durch das Mononatriumglutamat nachempfunden wird. Eine irrwitzige Idee. Die Serie nannte er "mad", das auf Dänisch so viel wie Essen bedeutet. "Aber Bier soll auch nicht im Wettbewerb zum Wein stehen, es ist eine Alternative", erzählt Bier-Brauer Bjergsø, der trotzdem lieber Wein trinkt, wenn er essen geht. "Vielleicht, weil ich täglich so viel mit Bier zu tun habe."