Das Berliner Puppentheater Bubale präsentiert am 25. Mai eine Weltpremiere. - © IKG
Das Berliner Puppentheater Bubale präsentiert am 25. Mai eine Weltpremiere. - © IKG

Wien. Jüdischkeit im Wiener Rathaus: Nachdem die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Wien ihr alljährliches Straßenfest, traditionell Auftakt zu den Jüdischen Kulturwochen, seit vielen Jahren am Judenplatz gefeiert hat, geht man heuer neue Wege. Am Sonntag lädt IKG-Präsident Oskar Deutsch Wienerinnen und Wiener erstmals in den Arkadenhof des Rathauses. Nicht nur der Ort ist neu, auch am Labeling hat man gearbeitet: Aus den Kulturwochen wurde das "Festival der Jüdischen Kultur Wien" (18. bis 27. Mai) und aus dem Straßenfest ein "Let’s celebrate"-Event (18. Mai).

Den bereits im vergangenen Jahr eingeschlagenen Weg, die Programmierung unter einen Schwerpunkt zu stellen, wird auch heuer fortgesetzt. 2013 widmete man sich Ungarn, eingeladen waren sowohl jüdische als auch Roma- und Sinti-Künstler. In diesem Jahr entschied man sich für "Jüdische Künstler aus Deutschland". "In unserem Nachbarland leben an die 200.000 Juden und in der Kulturszene spielt sich sehr viel ab", betont IKG-Präsident Oskar Deutsch im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Er sieht die Neugestaltung der Jüdischen Kulturwochen vor allem als Teil seines Herzensprojekts: der Öffnung der Kultusgemeinde gegenüber der nichtjüdischen Mehrheitsgesellschaft. "Und diesmal möchte ich den Wienerinnen und Wienern jüdische Kultur aus Deutschland zeigen. Dort hat sich die Politik vor mehr als zehn Jahren entschieden, viele Juden aus dem Ausland nach Deutschland zu bringen, vor allem aus den verschiedenen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. Es sind auch viele russische Künstler gekommen, und einige von ihnen haben wir nun nach Wien eingeladen."

Nicht nur ehemalige Sowjet-Bürger emigrierten allerdings in den vergangenen Jahren nach Deutschland. "Derzeit findet eine zweite Zuwanderung statt: junge Israelis, die es vor allem nach Berlin zieht", erzählt Sonia Feiger, Mitglied der Kulturkommission der IKG und für die Programmierung des Festivals verantwortlich. Israelis, die nach Deutschland gehen: Dieses Phänomen hat jüngst auch immer wieder die israelische Presse und Politik beschäftigt. "Es ist eine neue Generation - und ein Neubeginn", meint Feiger dazu. "Viele von ihnen vertreten die Ansicht, dass man auch in Deutschland wieder im normalen Leben angekommen ist und wir nicht mehr in der Geschichte leben."


Links
Das Festivalprogramm im Detail finden Sie hier.
wienerzeitung.at ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Da ist also auf der einen Seite eine wieder lebendige jüdische Kulturszene in Europa - und auf der anderen Seite wird ein Ansteigen des Antisemitismus beklagt. Wie erklärt Deutsch diesen Widerspruch? "Es stimmt, der Antisemitismus in Europa steigt. Vier Länder stehen dabei an der Spitze: Ungarn, Frankreich, Schweden, dabei speziell Malmö, und Griechenland. Und an der fünften Stelle steht der Rest Europas. Die EU ist jedoch ein wichtiges Friedensprojekt. Daher fordere ich die europäischen Politiker auch auf, gegen Antisemitismus aufzutreten und anzukämpfen. Gleichzeitig merken die Israelis, dass man nach Deutschland fahren kann, nach Österreich. Also ja, es gibt diese Ambivalenz."