Wien. Einen Faustschlag ins Gesicht. Einen Messerstich in den Rücken. Eine Attacke mit dem Schlagstock. In den vergangenen Monaten sorgten schwere Übergriffe auf Mitarbeiter der Wiener Linien (siehe Kasten rechts) für Diskussionen. Insgesamt sind die Vorfälle zwar zurückgegangen - 2013 gab es insgesamt 77 Übergriffe, in den Jahren davor waren es laut Wiener Linien zwischen 120 und 140 -, doch gerade die Brutalität der Übergriffe erregte die Aufmerksamkeit der Bevölkerung.

Ende April demonstrierten auch die Personalvertreter ihren Unmut: Am 23. April wurden Betriebsversammlungen angesetzt, die kurzfristig nur einen Notbetrieb erlaubten. Am Mittwoch präsentierten die Wiener Linien als Arbeitgeber und die Öffi-Stadträtin Renate Brauner (SPÖ) nun weitere Sicherheitsmaßnahmen.

In diese werden trotz der wirtschaftlich schwierigen Situation zwei Millionen Euro investiert, wie Brauner betonte. Sie wies auch darauf hin, dass "die Gewährleistung von Sicherheit und Ordnung in der Stadt Aufgabe der Polizei" sei. Es sei nicht geplant, das Personal mit Pfefferspray auszustatten, man wolle kein Klima der Angst. Allerdings: "Die Mitarbeiter der Wiener Linien haben ein Recht auf freundlichen Umgang und Respekt. Ausfälligkeiten und Übergriffe sind nicht zu akzeptieren."

Patrouille und Deeskalation

Am meisten betroffen von Übergriffen sind Fahrscheinkontrolleure. Sie werden meistens von ertappten Schwarzfahrern beim Verlassen des Fahrzeugs attackiert. Die Kontrolleure werden wie die Stationswarte und Fahrer während ihrer Ausbildung in Deeskalation geschult. Diese Trainings wurden bereits intensiviert.

Ebenfalls bereits umgesetzt ist eine Aufstockung der patrouillierenden Bereitschaftseinheit der Polizei: 150 statt bisher 120 Polizisten sind in den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Weiters sind die Fahrzeuge mit stillem und lautem Alarm ausgestattet und die Fahrer über Funk mit der Leitstelle verbunden, die die Einsatzkräfte alarmieren kann.

Bei den nächtlichen Kontrollgängen durch die Fahrzeuge vor Wendefahrten oder vor dem Abstellen in der Garage werden die Fahrer von einem Mitarbeiter der Stationsaufsicht unterstützt. Außerdem gibt es ein eigenes Kriseninterventionsteam, das sich im Fall des Falles um betroffene Kollegen kümmert.

Fünf Maßnahmen bis 2016

Das neue Paket umfasst fünf Punkte: Die Fahrerkabinen in den sogenannten "E2"-Straßenbahnen (ältere Garnituren mit Stufen, bei denen die unterste Stufe ausgefahren wird) werden mit einer erhöhten Glaswand ausgerüstet. Dadurch sollen Angreifer nicht von hinten auf den Fahrer losgehen können.

Weiters wird die Videoüberwachung in den "E2"-Fahrzeugen ausgebaut. Auch die ULF-Garnituren der ersten Generation müssen nachgerüstet werden. Bis Ende 2016 soll es in mehr als 60 Prozent aller Straßenbahnen Kameras geben. Diese dienen auch zur Abschreckung und zur Prävention von Vandalismus und erhöhen die Sicherheit von Fahrgästen und Mitarbeitern. Sie können aber auch die Polizei bei der Ausforschung von Tätern unterstützen, die die öffentlichen Verkehrsmitteln nutzen.

Außerdem soll es durch organisatorische Maßnahmen geschafft werden, dass in den Abend- und Nachtstunden vorwiegend Ulf-Niederflurstraßenbahnen eingesetzt werden, die über eine abgetrennte Fahrerkabine verfügen. Auch bei den Nachtbussen sollen vorrangig die moderneren und mit Videoüberwachung ausgestatteten Busse eingesetzt werden. Darüber hinaus laufen Gespräche mit der für die Beleuchtung zuständigen MA 33, um Öffi-Endstellen heller zu beleuchten.

Nicht alle Forderungen erfüllt

Die Maßnahmen sind mit der Gewerkschaft abgesprochen, Details (wie etwa die Höhe der Glaswand bei der Fahrerkabine) werden noch geklärt. Der Betriebsrat wertete die Maßnahmen in einer Aussendung "als wichtigen Schritt in die richtigste Richtung", wenn auch die Forderungen "bei weitem" nicht erfüllt seien. Dass zum Beispiel zwei Fahrer eingesetzt werden, sei nicht finanzierbar, hieß es vonseiten der Wiener Linien am Mittwoch.