Wien. Sterne schauen nicht nur als Freizeitvertreib für verliebte Teenager, sondern für eine ganze Stadt: Mit dem Abschluss des Neubaus des Wiener Zeiss Planetariums 1964 eröffneten sich dem Publikum ganz neue Welten. Heute bietet das Wiener Sternentheater mit moderner Technik zeitgemäße Einblicke in das Himmelsgeschehen.

Der 50. Geburtstag gilt jedoch nur für den aktuellen Standort und das neue Gebäude, eigentlich ist das Wiener Planetarium deutlich älter. Im Mai 1927 wurde Wiens Planetarium als erster "Himmel auf Erden" weltweit außerhalb des Erfinderlandes Deutschlands eröffnet. Das Sternentheater, bereits damals mit einem Projektor der Firma Zeiss ausgestattet, stand zwischen Kunst- und Naturhistorischem Museum vor dem Messepalast (heute: Museumsquartier).

Die Holzkonstruktion war mit einer Kuppel aus weißem Leinen überdacht, auf der mithilfe eines Projektors Sterne funkelten. Zeitgenossen freuten sich über eine "wahre Wundermaschine". 1931 übersiedelte das Institut mit einer dauerhafteren Lösung auf den Praterstern, das Gebäude wurde jedoch 1945 in der "Schlacht um Wien" zerstört.

Beinahe 20 Jahre musste Wien ohne seinen künstlichen Himmel auskommen, erst 1962 legte der damalige Wiener Bürgermeister Franz Jonas den Grundstein für den Neubau im Eingangsbereich des Praters nahe dem Riesenrad. Am 20. Juni 1964 wurde das neue Planetarium eröffnet und unter der langjährigen Direktion von Hermann Mucke nach und nach um Shows und Führungen für Erwachsene und Kinder erweitert.

2000 wurde schließlich die Modernisierung der gesamten Kuppeltechnik sowie die Neugestaltung des Saals beschlossen. Der Umbau kostete insgesamt mehr als vier Millionen Euro, davon investierte man alleine 2,5 Millionen Euro in den neuen Sternenprojektor - mit dem Universarium Modell IX von Zeiss holte man das zu dieser modernste Planetariumsgerät nach Wien.

Zusammen mit dem ausgeklügelten Laserbildprojektor ZULIP sorgt es seit der Neueröffnung 2002 nicht nur für die Simulation des Himmelsgeschehens, sondern auch für aufwendige Sternenshows. Ziel des damaligen Leiters Peter Habison: die Menschen gleich zum mehrmaligen Kommen und Staunen zu bewegen.

Seit 2008 ist das Zeiss Planetarium im Prater gemeinsam mit der Urania und der Kuffner-Sternwarte Teil der auf Astronomie spezialisierten Einrichtungen der Wiener Volkshochschulen.

Konkurrenz bekommt das Planetarium übrigens bald von seinem ersten Standort: Das Naturhistorische Museum schenkt sich zu seinem 125. Geburtstag im bisher für Sonderausstellungen reservierten Saal 16 ein neues, 60 Sitze umfassendes digitales Planetarium, das noch vielseitigere Darstellungen als in vorwiegend astronomisch ausgerichteten Planetarien ermöglichen soll.