Keine Alternativen also zum motorisierten Individualverkehr? Lassen sich die jungen Leute das Autofahren weder von Stau, Lärm und Umweltschäden noch vom Risiko verleiden?

Nicht unbedingt. Mit ihrem Resümee, die Begeisterung für das Kfz sei ungebrochen, liegt die Allianz-Studie in Widerspruch zu Verkaufszahlen und Anmeldestatistik. Die Anzahl der Neuzulassungen von Pkw verzeichnete im Jahr 2013 mit insgesamt 319.035 Fahrzeugen gegenüber dem Vorjahr eine Abnahme um 5,1 Prozent, bis Ende September 2014 gab es erneut ein Minus ind ähnlicher Größenordnung. Die Neuzulassungen bei den privaten Kfz gehen - vor allem im urbanen Raum und da in den inneren Bezirken - zurück.

Änderungen auch in Österreichs Ballungszentren


Originellerweise bestätigt sogar eine hauseigene Studie der Allianz aus Mai 2013, dass Trends wie Urbanisierung, steigende Benzinkosten, alternde Gesellschaften und Digitalisierung die Mobilitätsgewohnheiten maßgeblich beeinflussen. "Der Besitz eines eigenen Autos verliert in der EU und den USA sukzessive an Bedeutung", heißt es in dem Papier: "Für die Zukunft erwarten unsere Experten eine weitere Änderung der Mobilitätsgewohnheiten, die sich auch auf Österreichs Ballungszentren auswirken wird."

Smartphone löst den Motor-Kult ab


Gerade im urbanen Raum bemühen sich viele Stadtverwaltungen, den Autoverkehr zu reduzieren. Begegnungszonen und verkehrsberuhigte Bereiche entstehen nicht nur in der Mariahilfer Straße, sondern in zahlreichen Metropolen: In New York City ebenso wie in Rom, Paris oder Mexiko City. In den USA, dem Mutterland von Route 66 und Motor-Kult, löst in den urbanen Räumen das Smartphone als Statussymbol und Mittel zur Freiheit und sozialen Bande ab. "Die Wichtigkeit des Autos für junge Erwachsene hat abgenommen", schreibt Darren Ross im Wirtschaftsmagazin: "Das Auto als ultimatives Symbol der Freiheit hat ausgedient."

Mag sein, dass bei Ross der Wunsch der Vater des Gedankens ist. Kann aber auch sein, dass das Mobilitätsthema die Gesellschaft immer mehr polarisiert. Was für die Menschen in den Zentren das Leben oft bloß komplizierter macht, ist für junge Leute in den Speckgürteln oder auf dem Land immer noch Eintrittskarte in die Freiheit. Christian Gratzer vom VCÖ zieht den Wert der Allianz-Studie jedenfalls in Zweifel. Mit 110 Befragten aus Wien sei dieses Sample zu klein, um gültige Aussagen über das großstädtische Mobilitätsverhalten zu treffen.