Wien. "Möchte Männergruppe in Wien gründen oder an einer mitarbeiten", stand im März 1979 in einem Inserat des "Falter" zu lesen. Wolfgang Förster, der spätere erste Vereinsobmann der Homosexuellen Initiative (Hosi) Wien, hatte die Annonce unter Pseudonym aufgegeben. Sein Anliegen stieß auf großes Echo: "Ab Ende März 1979 kamen etliche Interessierte regelmäßig zu Treffen zusammen, erst in Privatwohnungen, dann im Alternativlokal ,Treibhaus‘, dem späteren ,Rotstilzchen‘", erinnert sich Hosi-Generalsekretär Kurt Krickler, der seit den Anfängen dabei ist.

Im September 1979 wurde die Gruppe schlagartig öffentlich bekannt: Förster verkündete in einem "Club 2" zum Thema Homosexualität mit einem Taferl die Vereinsgründung. ÖVP und FPÖ stellten daraufhin eine parlamentarische Anfrage. Denn noch gab es den Sonderparagrafen 221 im Strafrecht, der eine Verbindung von Personen untersagte, deren "wenn auch nicht ausschließlicher Zweck es ist, gleichgeschlechtliche Unzucht zu begünstigen", und welche "geeignet ist, öffentliches Ärgernis zu erregen". Mitgliedern drohte eine Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten. Justizminister Christian Broda und die Staatsanwaltschaft Wien entschieden, dass die Hosi nicht gegen Paragraf 221 verstoße: Der Verein könne zwar einen Einstellungswandel in der Gesellschaft verursachen, würde mit seinen Zielen aber kein öffentliches Ärgernis erregen. "Im Dezember erhielten wir den offiziellen Nichtuntersagungsbescheid", so Kurt Krickler, "und am 29. Jänner 1980 gab es die erste konstituierende Generalversammlung der Hosi Wien."


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Gewachsen in einem Kellerlokal

Bald wurde der Verein so groß, dass im Juni 1980 ein Kellerlokal in der Novaragasse angemietet wurde, welches 30 Jahre lang die "Heimat" der Hosi bleiben sollte. Bei den "Festwochen alternativ" am Reumannplatz im selben Jahr, bei denen der Info-Stand der Hosi Wien gewaltsam geräumt wurde, wurden auch lesbische Frauen auf den Verein aufmerksam. "Seit 1981 treffen und engagieren sie sich bereits in der Hosi - was anfangs auch unter den Frauen umstritten war, weil viele sich nicht vorstellen konnten, mit einer Männergruppe zusammenzuarbeiten", so Krickler.

Heute kann die Hosi Wien auf 35 Jahre erfolgreiche Arbeit zurückblicken, die wesentlich zur Verbesserung der gesellschaftlichen Lage von lesbischen und schwulen Menschen in Österreich beigetragen hat. Die Tätigkeitsbereiche, Vernetzung und Initiativen haben sich mit der Zeit immer mehr ausgeweitet: Von politischem und sozialem Engagement auf nationaler wie internationaler Ebene, Medien- und Öffentlichkeitsarbeit über Aktionen im Kampf gegen Aids, Beratung und Hilfe beim Coming-out bis hin zur Theatergruppe Hosisters und der Organisation von Regenbogenball und -parade reicht die bunte Palette an Aktivitäten. Auch in einigen Bundesländern sind eigenständige Hosi-Vereine aktiv.