Wien. Wenn den Donaustädter eines auszeichnet, dann ist es sein Patriotismus. Spricht er von seiner Heimat, dann heißt es "hier bei uns" - "die anderen", die wohnen "da drüben", hinter der Donau - quasi in der Großstadt. Das große "Wir" hat es besser, grüner und auch die Luft - unvergleichlich. "In meiner Jugend konnte ich mir ständig anhören: Du wohnst in der Donaustadt? Braucht man da nicht einen Pass, wenn man da hin will?", erinnert sich Ingrid Just vom Bezirksmuseum Donaustadt. Doch die Zeiten, als die Donaustadt zur Peripherie gehörte, als man noch Scherze machte über das krude Transdanubien, sind längst vorbei. Innerhalb von 15 Minuten erreicht man von der ehemaligen Vorstadt Kagran den Stephansplatz. Nun muss sich der Donaustädter andere Sorgen machen.

Fünftgrößte Stadt Österreichs

Es ist der Bezirk mit der größten Fläche, den meisten Einwohnern und aktuell den größten Baustellen. Seit mit der Donauregulierung zwischen 1870 und 1875 weite Teile der ehemaligen Donauauen bewohnbar gemacht wurden, sollte die Gegend als Bauland für das wachsende Wien dienen. Die "Stadt jenseits der Donau", wie sie von ihren Bewohnern beschrieben wird, hat einiges an Superlativen zu bieten. Verglichen mit dem Rest des Landes wäre der 22. Bezirk mit seinen 165.265 Einwohnern die fünftgrößte Stadt Österreichs. Fast ein Viertel der Gesamtfläche Wiens, genauer gesagt 24,65 Prozent, gehört den Donaustädtern. Und der Platz wird gebraucht - bis 2034 soll die Bevölkerungszahl um bis zu 34 Prozent auf über 225.000 Menschen steigen. Etliche Bauprojekte treten einerseits dem steigenden Wohnbedarf entgegen und dienen als wirtschaftliche Wachstumsimpulse für den Bezirk. In jeglicher Hinsicht, wird die Donaustadt ihrer Sonderstellung in Wien gerecht.

Grünflächen versus Großstadt

Dass sich ihr Bezirk seit Jahren in rasanter Entwicklung befindet, spüren auch die alteingesessenen Donaustädter. So gut wie jeder hat noch Erinnerungen an die "gute, alte Zeit", als man als Kind in den weiten Äckern und Wiesen spielte und die einzelnen Bezirksteile noch unverkennbar Dorfzentren glichen. Erinnerungen, die mit der Zeit Hochhäusern, Wohnkomplexen und vor allem Einkaufszentren weichen mussten. "Geschäfte und Shoppingmalls gibt es an jeder Ecke. Leerstehende Lokale werden der Reihe nach aufgekauft", erzählt auch Just. Nur die Menschen, die in den Lokalen einmal einkaufen sollen, die müssten noch herziehen.