Ein weinender Schilling wacht über Ferry Ebert und seine Frau Amalia im Enkelkindermuseum. - © Puiu
Ein weinender Schilling wacht über Ferry Ebert und seine Frau Amalia im Enkelkindermuseum. - © Puiu

Wien. Wer durch eine Tür tritt, muss auf Überraschungen gefasst sein. Er betritt ein Gebäude oder zumindest einen neuen Raum; hinter einer Tür lauert oftmals das Unbekannte. Und manchmal eine ganze Zwischenwelt, aus Raum und Zeit gefallen. Diese hier besteht aus einem Sammelsurium aus Bildern, Dingen und Automaten ohne zunächst erkennbaren Zusammenhang sowie aus zwei Menschen, die all das zusammenhalten. Außerdem aus sechs Wichteln, sie bilden das Begrüßungskomitee in diese zwei Zimmer große Zwischenwelt. Sie stehen aufgefädelt nebeneinander auf einem Tisch, auf Knopfdruck singen sie "Merry Christmas". Also vier von ihnen, "die anderen beiden haben keinen Strom mehr", sagt der Mann im hellblauen Sakko, der ihre Knöpfe gedrückt hat, übers ganze Gesicht strahlend daneben steht und bei seiner Frau Kaffee und Kuchen bestellt. Die beiden beginnen ansatzlos zu zanken, so, als hätte auch bei ihnen jemand auf einen Knopf gedrückt, der sie in Betrieb setzt. Nur dass ihnen der Strom niemals ausgeht, seit 57 Jahren nicht; so lange ist Ferry Ebert schon mit Amalia verheiratet.

Ein Jahr zuvor, 1956, trat nicht nur sie in sein Leben, sondern auch sein zweites Lebensprojekt. Ferry Ebert ist der Mann, der Österreich den Automaten schenkte. Gerade ist er vom Computer aufgestanden, wo er sein Leben zu einer Slideshow komprimiert, denn Mitte Dezember wird er 80, und er hat viel erlebt. Seine zu Hochzeiten 150.000 in Österreich aufgestellten Automaten spuckten unter anderem Pez-Zuckerl, Gummibärchen und Kaugummis aus, aber das war nicht das Problem.

Das Problem waren jene Automaten, die Kondome zum Inhalt hatten. "Sie können sich vorstellen, wie schwierig das in unserem katholischen Land vor fast 60 Jahren war. Da ist der Pfarrer vor lauter Aufregung fast von der Kanzel gefallen, wenn er gehört hat, dass im Ort ein Kondomautomat steht", erzählt er, während er schon Kaffee trinkt und Kuchen isst. Es mussten nicht nur Jahrzehnte verstreichen, bis seine Automaten akzeptiert wurden, es musste noch etwas anderes passieren: Aids. "Plötzlich war ich in aller Munde und der Gesundheitsapostel der Nation", erzählt er. Zu der Zeit standen dann auch schon Brieflosautomaten quer über Österreich verstreut, "damit waren wir weltweit die Ersten".

Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens


Irgendwann hat es ihm trotzdem gereicht. Die Widerstände, das Unverständnis und plötzlich stand auch das Unternehmen kurz vor der Pleite. Sie konnte zwar abgewendet werden, aber es war trotzdem alles viel zu viel und dann war da noch diese innere Stimme, die ihm sagte: "Lieber Freund, das kann doch nicht alles gewesen sein." Und hier beginnt eigentlich die Geschichte des Enkelkindermuseums, obwohl seine Enkel damals noch gar nicht auf der Welt waren. Denn 1990 hat sich Ferry Ebert aufgemacht. Auf die Suche nach dem Sinn. Nach Indien, nach Nepal, in die Wüste Sinai. Mit einem Rucksack, einem Bleistift und einem Notizblock.