Wien. David Braunstein (26) hat eben an der Universität Wien sein Psychologiestudium beendet und arbeitet an seiner Philosophie-Dissertation. Inbar Fruchsad (26) ist im letzten Jahr ihres Bachelor-Marketingstudiums an der Lauder Business School. Braunstein kommt aus Deutschland, Fruchsad aus Israel. Was sie eint, ist ihre jüdische Herkunft - und ihr langjähriges Engagement bei den Jüdischen Österreichischen HochschülerInnen (Jöh).

Dass beide keine Wiener sind, ist dabei durchaus typisch. An die 450 jüdische Studenten nehmen regelmäßig oder auch sporadisch an den Veranstaltungen der Jöh teil. Auch wenn es kein offizielles Mitgliederverzeichnis gibt, weiß Braunstein doch: "An die 80 Prozent von ihnen kommen aus dem Ausland."

Nach dem NS-Terror konstituierte sich 1947 eine jüdische Studierendenvertretung. Über die Jahrzehnte gab es Jahre des hohen, Jahre des geringeren Engagements. Im Jahr 2005 machte man schließlich einen Neuanfang. Heute geht es den Jöh weniger um die Durchsetzung politischer Anliegen als vielmehr um eine Gemeinschaft, erzählen Braunstein und Fruchsad.

Außer Streit steht aber natürlich auch für die jüdischen Studierenden von heute einerseits das Engagement gegen Rechtsextremismus (mit Beteiligung an entsprechenden Demonstrationen) und das Eintreten für Israel. Gesucht wird zudem der Kontakt zu muslimischen Studierenden - auf einer religiös/kulturellen Ebene, "um Politik geht es dabei nicht", betont Braunstein. Regelmäßig laden die Jöh hier in Kooperation mit der Organisation "European Muslim Jewish Dialogue" zu Veranstaltungen.

Freitag Abend gibt es in den Räumlichkeiten der Jöh in der Währinger Straße nahe der Universität Wien (außer während der Ferien) immer einen Community Shabbat. Dabei bringt jeder von zu Hause selbst gemachtes Essen mit, wobei darauf Wert gelegt wird, dass die Speisen vegetarisch sind. Strikt koscheres Essen kann also nicht garantiert werden, doch das Gros der jungen Menschen, die sich bei den Jöh engagieren, lebt auch nicht orthodox. "Das Spektrum ist ein großes", betont Braunstein, "manche leben ihr Judentum religiös, andere kulturell." Daher können und wollen die Jöh auch nicht Sprachrohr für eine bestimmte Ausprägung des Judentums sein.

Dieser Community Shabbat ist auch jenes Angebot, das vor allem die jüdischen Studierenden aus dem Ausland zu dieser Studierendenvereinigung bringt. "Wenn man hierher kommt, ist es sehr schwierig, irgendwie an die jüdische Wiener Gemeinde anzudocken. Das ist alles sehr abgeschlossen", erzählt Fruchsad von ihren eigenen Erfahrungen. Aber gerade am Freitag Abend wolle man nicht alleine in seinem Studentenheimzimmer sitzen. Hier sei es schön, diesen Abend mit anderen jungen Juden aus aller Welt verbringen zu können. Auch die Feiertage wie Chanukka oder Pessach werden gemeinsam begangen. Darüber hinaus gibt es Workshops zu verschiedensten Themen und auch das Partymachen darf nicht zu kurz kommen.