Raum zum Austausch


Im hell eingerichteten Speise- und Aufenthaltsraum können die Männer abends fernsehen, sich austauschen oder lesen. Sie können duschen und bekommen bei Bedarf Kleiderspenden. Über zwei PCs mit Internetanschluss haben sie die Möglichkeit, Kontakt zu Familie und Freunden in ihrem Herkunftsland aufzunehmen. "Seit einem Jahr können wir durch eine Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule zudem auch Deutschkurse anbieten", sagt Hausleiter Günter Sigl. Er und 65 ehrenamtliche Mitarbeiter helfen jede Woche in Küche, Nachtdienst und am Empfang zusammen. 2014 leisteten die "Freiwilligen" 10.000 Arbeitsstunden; unterstützt werden sie von "Neustart"-Mitarbeitern, die nach einem Haftaufenthalt oder anstelle von Ersatzfreiheitsstrafen hier gemeinnützige Arbeit leisten. Lebensmittelspenden kommen von der Wiener Tafel, vom Sozialmarkt VinziMarkt oder privaten Gebern. "Wir freuen uns immer, wenn uns jemand Spenden vorbeibringt", sagt Brigitte Zimmermann. "Und auch weitere ehrenamtliche Mitarbeiter sind sehr willkommen."

Standort Rennweg wackelt


Gegründet wurde VinziPort 2010 in der Linzer Straße, 2013 zog die Institution aus der dortigen desolaten "Not-Notschlafstelle" an den jetzigen Standort am Rennweg. "Ob wir hier bleiben können, ist derzeit aber ungewiss", bedauert Hausleiter Sigl. "Möglicherweise müssen wir noch vor dem Winter ausziehen, weil unser Vertrag mit der Austrian Real Estate Ende September ausläuft." Die ARE, eine Tochter der Bundesimmobiliengesellschaft, hat VinziPort die Lokalität als Ersatzquartier für zwei Jahre übergangsweise zur Verfügung gestellt. Nun kann es sein, dass sie für andere Zwecke gebraucht wird. "Wir hoffen aber sehr, dass sich eine Lösung findet, denn der Ort hier ist für VinziPort ideal", sagt Sigl. "Er ist öffentlich gut erreichbar, es gibt keine unmittelbaren Nachbarn, die sich gestört fühlen könnten, und genügend Platz." Es sei nicht einfach, solch einen geeigneten Standort zu finden; ohne zusätzliche finanzielle Mittel sei ein Umzug einer Notschlafstelle zudem schwierig zu bewältigen. "Und wir müssten zu Winterbeginn ausziehen - dann, wenn die Schlafplätze am dringendsten gebraucht werden." Noch sei alles in der Schwebe, sagt der VinziPort-Leiter, "im April oder Mai wissen wir aber hoffentlich schon mehr".

Schnäppchenjagd im VinziShop


Nicht nur VinziPort, auch der VinziShop in der Veronikagasse, Ecke Ottakringer Straße feiert heuer seinen fünften Geburtstag. Gespendete Kleidungsstücke, Schuhe, Bücher, Spielzeug und Haushaltswaren in guter Qualität werden hier zu Flohmarktpreisen verkauft. Mit dem Erlös werden die Einrichtungen der Wiener VinziWerke unterstützt.

"Bei uns kann jeder einkaufen, der möchte, man braucht keinen Einkommensnachweis wie im Sozialmarkt", sagt Simone Wührer, Koordinatorin der Wiener VinziWerke. "Durch die sehr günstigen Preise möchten wir vor allem Menschen mit geringem Einkommen unterstützen." Zwei bis drei "Ehrenamtliche" täglich und eine leitende Mitarbeiterin arbeiten von Montag bis Samstag im Shop. "Die meisten sind Seniorinnen und haben ,ihren‘ fixen Halbtag pro Woche. Ohne das große Engagement dieser Menschen würde es nicht gehen", so Wührer.

Ein-Euro-Tage


Gespendet werden kann alles außer Elektrowaren und Möbel; die Ware muss sauber und in gutem Zustand sein. Um wieder Platz für Neues zu schaffen, ist von 4. bis 6. März großer Winterschlussverkauf im Shop: "An diesen Tagen ist jedes Stück, egal ob Hose, Rock, Handtasche oder Tischtuch, um nur einen Euro zu haben", wirbt die Vinzi-Koordinatorin. "Wir freuen uns auf möglichst viele Schnäppchenjäger!"