Wien. Wie hängen persönliche Mobilität und Gesundheit zusammen? Mit dieser Frage befasst sich das EU-Projekt Pasta (Physical Activity through Sustainable Transport Approaches - Körperliche Aktivität durch nachhaltige Mobilität), das derzeit in sieben europäischen Städten (Antwerpen, Barcelona, London, Örebro, Rom, Wien und Zürich) von verschiedenen Forschungseinrichtungen zeitgleich durchgeführt wird.

Federführend tätig in dem insgesamt fast 5,2 Millionen Euro teuren Projekt ist das Institut für Verkehrswesen der Universität für Bodenkultur in Wien, wo auch die Idee für die Untersuchung vor drei Jahren entwickelt wurde. "Die Sportmedizin weiß heute, dass wir im Alter von 60 Jahren mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein Pflegefall sind, wenn wir uns nicht bewegen. Und das erschreckt mich", sagt Boku-Professor Michael Meschik, einer der Initiatoren der Studie. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass sich Menschen zumindest 150 Minuten pro Woche bewegen sollen. Meschik: "Leider verwechseln viele Österreicher - wenn sie an Mobilität denken - körperliche Aktivität mit Einsatz fossiler Energien."

Auch Unfallorte in Umfrage


In regelmäßigen Online-Befragungen über einen Zeitraum von zwei Jahren geben Versuchspersonen jetzt über ihr Mobilitätsverhalten und ihren aktuellen Gesundheitszustand Auskunft. Insgesamt wünschen sich die Studienautoren 14.000 Teilnehmende, je 2000 sollen es pro Stadt sein: "Wir suchen derzeit noch Testpersonen", erklärt Boku-Forschungsassistentin Mailin Gaupp-Berghausen gegenüber der "Wiener Zeitung": "Es sollen Menschen jeden Alters und aus allen Wiener Bezirken. Es sollen Fußgänger, Rad- und Autofahrer sowie Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel sein."

Anfang des Jahres ist die Untersuchung angelaufen. Bisher haben sich knapp 850 Wienerinnen und Wiener angemeldet. Als Anreiz mitzumachen, werden unter den Teilnehmenden Gutscheine verlost. Unter anderem haben Wiener Linien, Arbeiterkammer, Kuratorium für Verkehrssicherheit oder die Radlobby Argus Preise spendiert.

Wer sich auf der Website des Pasta-Projektes registriert, wird zunächst in einem 30 Punkte umfassenden Multiple-Choice-Test über sein Mobilitätsverhalten befragt, gibt Auskunft über seinen aktuellen Gesundheitszustand und seine favorisierten Verkehrsmittel. Für einen zufällig bestimmten Tag müssen die Studienteilnehmer alle ihre Wege eintragen, was - wie der Autor dieses Artikels im Selbstversuch feststellen musste - einiges Nachdenken und genaues Rekonstruieren mit Hilfe des Kalenders erfordert. Auch Unfälle und deren Auswirkungen auf den Gesundheitszustand werden in den Fragebogen eingetragen. "Unsere Teilnehmer tragen auch die Unfallorte in die Umfrage ein", erklärt Gaupp-Berghausen. Dadurch ergebe sich auch ein Bild über die besonders gefährlichen Stellen im Wiener Straßennetz.

Teil der Studie ist eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme der Verkehrssituation in den sieben teilnehmenden Städten. Verkehrssteuernde Maßnahmen der Stadtverwaltungen, Verkehrsmasterpläne, aber auch private Aktivitäten einzelner Gruppen - etwa die Fahrrad-Kundgebungen Critical Mass - sollen in diese Bestandsaufnahme einfließen.

Ergebnisse sollen Verbesserungen bringen


Die Evaluierung wird zusammen mit den Studienergebnissen im Herbst 2017 veröffentlicht werden und Best-Practise-Beispiel enthalten. Mit Hilfe der Ergebnisse können Verbesserungsvorschläge und Maßnahmen für die Verkehrspolitik in den Städten entwickelt werden, hoffen die Wiener Studienautoren. Gaupp Berghausen: "Politikerinnen und Politiker werden dadurch unterstützt, nachhaltige Entscheidungen in den Bereichen Mobilität und Stadtplanung zu treffen und damit gleichermaßen Mobilitäts- und Gesundheitsprobleme in den Städten zu lösen."