Wien. Bunter, schriller und opulenter und das trotz der regnerischen Wetteraussichten: Am heutigen Samstag findet in der Innenstadt die 20. Regenbogenparade statt. Auch die politische Komponente des queeren Treibens soll heuer wieder nicht zu kurz kommen. Auf Plakaten mit der Aufschrift "Gleichstellung. Traut euch" oder die umgewandelte Form des Anti-Raucher-Slogans "Homophobie fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu" oder "Liebe ÖVP, willst du mit mir die Ehe für alle öffnen?" wollen die Demonstranten ihre Anliegen zum Ausdruck bringen. Die Teilnehmer werden wieder einmal um den Ring ziehen - allerdings traditionell "andersrum", also gegen die Fahrtrichtung. In den vergangenen 20 Jahren habe sich viel, aber noch nicht genug getan, vor allem auf rechtlicher Ebene, resümierte Organisator Christian Högl am Freitag.

ÖVP-Minister Rupprechter: "Ich habe Schwule gern"

Die ÖVP ist weiterhin gegen die Homo-Ehe. Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) hatte vor 15 Monaten einen Vorstoß für ein Adoptionsrecht für Homosexuelle in einem Interview gefordert. Es sollte einen "offenen Zugang" in dieser Frage geben. Er sei jedenfalls "gegen eine Diskussionsverweigerung". "Ich bin nicht bereit, die Schwulen auszugrenzen. Sie sind mir wichtig und ich habe sie gern", so der Minister damals. Dies löste eine große Debatte innerhalb der ÖVP aus. Rupprechter bestätigte gegenüber der "Wiener Zeitung", dass er nach wie vor zu seinen Aussagen stehe.

Auch Högl bemerkt Bewegung. "Wir sind auf einem guten Weg dorthin, "Auf dem Weg zur Schwulen und Lesbenhauptstadt Europas zu werden. Das ist aber nicht ein Resultat von Song Contest und Conchita, sondern ein sich über Jahrzehnte hinziehender Prozess", so Högl. Dieser sei ein Ergebnis der Aktivitäten der Hosi und anderer Organisationen und dem politischen Willen der Stadtregierung.

Dennoch seien Forderungen wie Ehe für alle oder das Levelling-up noch immer offen. Conchita hätte aber zu mehr Offenheit beigetragen. "Wir haben für unsere Forderungen ein Gesicht bekommen, eine sehr sympathische Fürsprecherin. Sie kommt auch direkt aus der Community und hat auch, als sie noch Tom Neuwirth war, unsere Anliegen unterstützt", so der Obmann der Homosexuellen Initiative (Hosi) Wien. Bei der Regenbogenparade 2006 etwa sei Neuwirth mit der Boyband "Jetzt anders" bei der Schlusskundgebung aufgetreten. Die Jubiläumsparade soll laut Veranstaltern alle Rekorde brechen: Hinsichtlich der Teilnehmerzahl gibt es schon jetzt so viele Anmeldungen wie - abgesehen von der Europride 2001 - nie zuvor. Auch viele Unternehmen ziehen heuer erstmals um den Ring, um Regenbogenflagge zu zeigen. Es gibt fast 60 teilnehmende Gruppen. Marschiert wird man unter dem Motto "Sichtbar 2015" - eine Reminiszenz an die allererste Parade, bei der es "Sichtbar 1996" hieß.