Das junge Pärchen Sebastian und Alice vor ihrem Café in der Josefstadt. - © Christoph Liebentritt
Das junge Pärchen Sebastian und Alice vor ihrem Café in der Josefstadt. - © Christoph Liebentritt

Wien. Vormittags im Café Josefine in der Laudongasse: Zwei ältere Damen und ein Herr sitzen in Trachtenkleidung zwischen dem hippen jugendlichen Mobiliar und fragen Alice, die Seele des Hauses, nach "dem Bürstengeschäft", ganz so, als handle es sich dabei um eine Institution, die jeder Josefstädter kennen muss. Es ist typisch, dass Alice sich das Lachen verkneift, die Augen weit aufreißt und mit großer Ernsthaftigkeit versucht herauszufinden, worum es dabei geht, bis schließlich am Nachbartisch jemand losprustet und sich andere Gäste ins Gespräch einmischen und mithelfen.

In einer Stadt, in der der unhöfliche Kellner Kult ist, hat das junge Pärchen Sebastian und Alice ihre Freundlichkeit zum Geschäftsmodell gemacht. Nicht wenige Gäste blicken erst einmal misstrauisch drein, wenn ihnen bei Ankunft sofort ungefragt ein Glas Wasser hingestellt wird. Es ist offensichtlich, dass einige das für eine Art Finte halten. "Wenn man selbst offen ist, zieht man auch nette Leute an", sagt Sebastian. "Ich glaube, ich habe hier noch kein Arschloch herinnen sitzen gehabt", pflichtet ihm Alice nachdrücklich bei. Sie redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Tatsächlich hat sich das Café zu einer Art unabsichtlichen Knotenpunkt fürs Netzwerken entwickelt. Viele Studenten, Freiberufler und Individualisten haben in der Josefine einen Ort gefunden, an dem sie nicht nur gratis WLAN, genügend Steckdosen und Frühstück rund um die Uhr bekommen, sondern an dem sie auch schnell mit Gleichgesinnten ins Gespräch kommen können. Das Prinzip "Ich kenn’ wen, der wen kennt, der dir da helfen kann" ist hier zu Hause, wie sonst nirgends in dieser Gegend.

Ewig sitzen und Wasser trinken ist o.k.


Gleichzeitig lehnen die jungen Geschäftsleute den Konsumationszwang ab. "Mich stört es überhaupt nicht, wenn Leute hier ewig sitzen und Wasser trinken", beteuert Alice, eine Einstellung, mit der andere in Wien bereits grandios gescheitert sind. Das von der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) betriebene Café Rosa etwa stellte der Idee eines antikapitalistischen Lokals kein gutes Zeugnis aus. Hinzu kommt, dass das kleine Lokal, in dem sich nun die Josefine befindet, über die Jahre schon recht viele gescheiterte Unternehmungen bezeugt hat. Um trotzdem erfolgreich zu sein, bauen Sebastian und Alice vor allem auf hohe Qualität bei Frühstück, Kaffee und Cocktails. "Es geht uns darum, den Leuten wirklich etwas für ihr Geld zu bieten", erklärt Alice.

In der Josefine gibt es zum Beispiel den beliebten Felix-Kaffee, das Herzensprodukt des Spezialrösters Felix Teiretzbacher. "Der liebste Kaffeeröster der Welt", wie Alice den Freund des Hauses nennt, ist mit seinem Produkt besonders bei den älteren Besuchern der Josefine sehr gefragt, so Alice. Ein weiterer Star des Hauses sei die Cocktailexpertin Denise. "Die ist fast so witzig wie wir und liebt ihre Cocktails", erzählt das Paar. Denise tüftelt viele der Cocktails auf der Karte selbst aus und stellt den Sirup, etwa für ihren Red Blossom Mojito eigens her, was geschmacklich einen deutlichen Unterschied macht.

Doch nicht alles ist immer friedlich und fröhlich. Nur drei Monate nach der Eröffnung im Dezember warf ihnen ein anderer Gastronom im 8. Bezirk geradezu den Fehdehandschuh vor die Füße. Das Problem? Er nannte sein Café einfach auch Josefine, verwendete auf seinem Schild einen ähnlichen Schriftzug. Nun gibt es zwar im Bezirk einige Unternehmen, die sich den doch sehr naheliegenden Namen in der Josefstadt geschnappt haben, doch ist die Verwechslungsgefahr bei zwei neuen Cafés, die nur einen Steinwurf voneinander entfernt sind, sehr groß.

Andere Josefine war zunächst Konkurrenz


"Ich bin dort vorbeigegangen und habe ihn auf das Problem aufmerksam gemacht. Wir standen gerade am Anfang und ich war noch sehr verunsichert. Ich kann nicht leugnen, dass ich sehr lange einen Groll gehegt habe, gegen diesen grundsätzlich eh sehr sympathischen Kerl", sagt Alice. Mittlerweile sehe man die "andere Josefine" jedoch nicht mehr als Konkurrenz. "Wir haben ein ganz anderes Konzept, mehr Sitzplätze, und so weiter. Wir stehen hier für hochwertigen und qualitativen Kaffee und eine angenehme Atmosphäre", so Sebastian. Wenn nun mit dem Idealismus auch noch der Umsatz stimmt, gewinnt der Bezirk eine heimliche Oase der Gelassenheit dazu.