Verfolgt unter den Nazis


Dass auch das Esperanto zwar nicht in Vergessenheit geriet, aber doch massiv an Bedeutung verlor, hat mit dem Scheitern der Friedensbewegung und dem Aufstieg des Totalitarismus zu tun: "Adolf Hitler bezeichnete Esperanto in ‚Mein Kampf‘ als Judensprache, und 1936 wurden im Deutschen Reich Esperantovereine verboten", erzählt Tuider. "Gleichzeitig versuchten sie paradoxerweise, die nationalsozialistische Ideologie mit Esperanto im Ausland zu verbreiten."

Viele Esperantosprecher landeten im KZ, auch in der stalinistischen Sowjetunion wurden sie verfolgt und ermordet. Es war ein Schlag, von dem sich die Sprache nie mehr erholte, auch wenn es "seit den 1990ern durch das Internet einen kleinen Anstieg an Sprechern gibt", sagt Tuider. Weltweit sei "eine Zahl von 100.000 Sprechern realistisch", sagt Tuider. In Österreich, schätzt er, ist es gerade einmal "eine höhere dreistellige Zahl", die tatsächlich noch Esperanto spricht.