Armut trotz Arbeit


Anspruch auf einen Platz im Neunerhaus haben alle wohnungslosen Wiener, die mindestens zwei Jahre in der Stadt gemeldet sind. Nicht alle Bewohner sind, obwohl vorher obdachlos, auch unbedingt arbeitslos. Die "neue Gruppe von Wohnungslosen" sind Opfer des modernen Gesellschaftsphänomens Working Poor oder Erwerbsarmut - Armut trotz Arbeit, weil der Lohn nicht zum Leben reicht. Schnell ist dann oft auch die Wohnung weg. Die Organisation Neunerhaus setzt sich deshalb auch vehement für die Prävention von Obdachlosigkeit und Delogierung ein, vor allem für leistbares Wohnen. "Übergangswohnen in Wien steht und fällt mit leistbaren Wohnungen", sagt Neunerhaus-Geschäftsführer Markus Reiter. "Das Konzept Wohnungslosenhilfe macht nur Sinn, wenn das Wohnressort mit dem Sozialressort mitzieht."

Die meisten Bewohner in der Hagenmüllergasse sind froh, endlich eine Bleibe gefunden zu haben, in der sie zur Ruhe kommen können, um einen Arbeitsplatz zu finden und wieder abgesichert zu sein. Auch Herr B. möchte so schnell wie möglich wieder Arbeit finden und auf eigenen Beinen stehen. Noch hindern ihn gesundheitliche Probleme, "aber wenn das ausgeheilt ist, möchte ich wieder ins Service", sagt er. Sein Ziel: "In zwei Jahren will ich wieder draußen sein - in meinen eigenen vier Wänden."