Wien. Sie sind weiß, haben drei Räder, surren beim Fahren wie ein Handstaubsauger und bieten Platz für sechs Personen: E-Tuktuks. Seit kurzem auch auf den Straßen Wiens unterwegs, verbreiten sie einen Hauch Rikscha-Kultur à la Indien. Nur, dass die Gefährte, die die junge Wienerin Sebahat Kayan auf den Markt bringt, nicht mit einem knatternden Zweitakt-Motor, sondern mit einem 7000 Kilowatt starken Elektromotor betrieben werden und damit deutlich umweltfreundlicher operieren als ihre lärmenden Artgenossen vom Sub-Kontinent.

"In Indien funktioniert das Konzept hervorragend", sagt Kayan, die in Wien Publizistik und Kulturmanagement studierte und jetzt in Margareten das Künstler-Netzwerk Kreativenplattform.at betreibt: "Vielleicht können die Tuktuks - in einer adaptierten Variante - auch Teil des Mobilitätsalltags bei uns werden."

Knackpunkt Gewerbeordnung


Mit den ersten beiden E-Rikschas, die vergangenen Mai nach Österreich geliefert wurden, steigt die 32-Jährige ins Transport-Business ein. Ein Schritt, den man ihr nicht ganz einfach macht. Zwar verfügt das E-Tuktuk über die notwendige EU-Zulassung und bestand auch alle Elchtests, freut sich Kayan. Knackpunkt ist allerdings die heimische Gewerbeordnung. Am mühsamsten bei der Umsetzung ihrer Geschäftsidee seien Behördengänge gewesen. "Selbständigen wird es nicht leicht gemacht", sagt sie: "In manchen Ämtern wird man nicht mehr drangenommen, wenn man zwar in den Öffnungszeiten, aber kurz vor Dienstschluss erscheint."

Hauptzweck der E-Tuktuks, die stunden- und tageweise sowie mit und ohne Fahrer gemietet werden können, waren bisher Hochzeiten, Firmenfeiern, Straßenfeste und sonstige Veranstaltungen. Auch als Werbemobil für Events und Werbeveranstaltungen werden die Gefährte gebucht. Für Aufmerksamkeit sorgen die Gefährte jedenfalls.

Bei einer Testfahrt durch den 6. und 7. Bezirk - derzeit hat Kayan die Tuktuks in der Hotelgarage eines Hotels in der Lindengasse untergebracht -, dreht sich fasst jeder Fußgänger nach dem fast geräuschlos dahingleitenden Gefährt um.

Die Idee für das Projekt kam Kayan vor zwei Jahren während einer Reise in die Niederlande, wo sie die Fahrzeuge zum ersten Mal im Einsatz sah. Im Impact Hub Vienna, einer Bürogemeinschaft für Social Entrepreneurs in Wien-Neubau, entwickelte sie die Idee weiter.

Dank der relativ geringen Fixkosten beim Betrieb der in Holland erzeugten E-Tuktuks, hofft Kayan innerhalb von zwei Jahren in die schwarzen Zahlen zu rutschen. Bis Jahresende soll der Fuhrpark auf vier Rikschas anwachsen. "Wir versuchen jetzt einmal, auf bei so vielen Events wie möglich mitzumachen und im Straßenbild präsent zu sein", sagt Kayan.