Wien. Eingenistet in der Bernardgasse, einer unauffälligen Einbahnstraße in Wien Neubau, steht das Haus der Islamischen Religionsgemeinschaft in Österreich. In einem spartanisch eingerichteten Raum im Erdgeschoß, gleich links neben dem Haupteingang befindet sich der Redaktionssitz des "Chai Magazins", der neuen und einzigen muslimischen Print-Zeitschrift im deutschsprachigen Raum. Chefredakteur Ramazan Demir, Grafikerin Vildan Gülle und Fotoredakteurin Elif Öztürk sitzen an einem großen, schwarzen Ikea Tisch. Der Bücherschrank hinter ihnen ist fast leer. Ein paar Kartons stehen gestapelt in einer Ecke. Mehr hat der Raum nicht zu bieten.

"Wenn wir Redaktionssitzungen oder Schlussproduktion haben, sitzen hier alle mit ihren Laptops. Das schaut dann professioneller aus", sagt Demir mit einem herzhaften Lächeln. "Wir treffen uns aber meistens in benachbarten Lokalen, um bei Tee die Themen des Heftes zu besprechen", erklärt Demir, völlig dessen bewusst, dass der knapp 20 Quadratmeter große Raum mit kahlen Wänden sich nicht für eine entspannte Atmosphäre eignet. Hier, in diesem unscheinbaren Raum, entsteht die deutschsprachige Zeitschrift von Muslimen für Muslime. Das Projekt gilt als Prestigeprojekt der IGGiÖ. "Wir haben die vollste Unterstützung seitens der Glaubensgemeinschaft" erklärt Demir. Auch in Sachen Finanzen. Doch einen Blankoscheck gibt es nicht.

Eine Publikumszeitschrift
für die muslimische Jugend


Das Gratis-Heft, das es seit Anfang des Jahres gibt, erscheint viermal im Jahr in einer Auflage von 5000 Stück. Die Hefte verbreiten Demir und sein Team an über 250 Locations, darunter Moscheen und Schulen. Das Magazin sieht sich selbst als Publikumszeitschrift für die muslimische Jugend, weshalb es auch Themen wie Sport, Kunst, Mode, Ernährung und Gesellschaft verarbeitet. Feste Rubriken oder Formate gibt es nicht. Mit dem Heft möchte man die österreichisch-muslimische Identität stärken. Es geht darum, das Selbstbewusstsein der Jugend zu fördern. Bedenkt man die vielen Angriffe auf kopftuchtragenden Musliminnen, die Hass-Postings gegen den Islam in verschiedenen Foren und sozialen Medien und die unzähligen Zeitungsartikeln mit eindeutigen oder versteckten anti-islamischen Untertönen, scheint eine selbstbewusste Feel-good-Zeitschrift eine bitter benötigte Alternative zu sein.