In Haifa befindet sich der Heilige Schrein der Baha’i. - © Corbis
In Haifa befindet sich der Heilige Schrein der Baha’i. - © Corbis

Wien. "Heuer passiert etwas, das es seit der Religionsstiftung nicht gegeben hat", sagt Adib Reyhani mit einer Begeisterung, die seine Vorfreude deutlich sichtbar macht. "Der Geburtstag des Bab und der Geburtstag des Baha’u’llah fallen auf zwei aneinander folgende Tage", erklärt der ehrenamtliche Pressesprecher der Baha’i Gemeinde Wien. Am 13. und 14. November feiern die Baha’i weltweit die Geburtstage der beiden Zentralfiguren ihrer Religion. Auch die schätzungsweise 1300 in Österreich lebende Baha’i werden mitfeiern. Beide Geburtstage sind für die Baha’i heilig, doch der des Religionsstifters Baha’u’llah, den sie als Manifestation Gottes für dieses Zeitalter verehren, gilt als wichtigster Feiertag der jungen, monotheistischen Religion. Es ist das Pendant zum christlichen Weihnachten und wird auch fast auf die gleiche Weise gefeiert.

Fariba T. weiß wenig über ihren Religionsstifter. Sie weiß nur, das sie zwei Mal im Jahr Weihnachten feiert und beschenkt wird. "Auf den Geburtstag des Baha’u’llah freue ich mich aber mehr. Den Tag feiern wir immer groß", sagt die 24-jährige Studentin. Das Besondere an der Baha’i Religion ist, dass es keine festgelegten Pflichten für den Feiertag gibt. Es kann jede Person und jede Gemeinde entscheiden, wie sie feiern wollen. In Faribas Familie bedeutet das, dass Freunde und Nachbarn vorbeikommen. Und auch wenn sie nicht streng gläubig sind, wird das im Bahaitum gültige Alkoholverbot an dem Tag eingehalten. "Nach dem Festessen lesen wir meistens Geschichten aus dem Leben des Baha’u’llah vor", erzählt die Studentin. In der Gemeinde wird ähnlich gefeiert.

"Jedes Jahr gibt es ein großes Programm und dieses beginnt immer mit einem Gebet", erklärt Adib Reynahi. Da es im Bahaitum keine Prediger oder Vorbeter gibt, wird immer eine Privatperson aus der Gemeinde ausgesucht, die ein Gebet aus den Werken des Baha’u’llah vorliest. Danach wird gesungen. Die Musik gilt den Baha’is als Leiter mit der die Seele ganz oben zu Gott steigen kann. Anschließend wird gegessen. Es gibt kein traditionelles Essen, wie andere Religionen es kennen. Die Baha’i können zubereiten was sie wollen, wichtig ist, dass sie in einer Gemeinde feiern.

Einheit der Menschheit


Adib Reyhani sitzt auf einem Lehnstuhl im Baha’i Zentrum in Penzing. Der 32-Jährige beginnt zu erklären. "Der Geburtstage des Bab und des Baha’u’llah sind im Grunde aneinander gekoppelt", sagt der Volkswirt. "Auch wenn in der Vergangenheit Wochen zwischen den beiden Feiertage lagen, waren sie im Auge Gottes ein Tag", erklärt er den Geist des heiligen Zwillingsfestes.