Wien. Schubertklänge, Brötchen, Sekt, matt im Kerzenlicht schimmernde Riesendildos und allerlei blank polierte Hodenfesselinstrumente. Wer die Wiener Domina Shiva Prugger in ihrem Lokal besucht, fühlt sich sofort unerwartet behaglich. Selten wird man so freundlich empfangen, noch seltener begegnet man einem Menschen, der so offen und auf Anhieb liebenswert erscheint. Gleichzeitig verdient die 39-Jährige ihren Lebensunterhalt damit, Männer zu demütigen, sie geknebelt in Holzkisten zu sperren oder ihnen Schmerzen zu bereiten.

Führt sie durch ihr Studio, so merkt man ihr den Stolz der Unternehmerin an. Jedes Möbelstück, jeden Käfig, jede Peitsche hat sie liebevoll selbst ausgesucht, jeden Leuchter selbst an die Wand geschraubt. Ihr kleines Reich ist ein Kunstwerk, von dem sich Filmausstatter etwas abschauen könnten. Von oben hängen Ketten mit Flaschenzug, mit dem man jemanden von der Decke baumeln lassen könne, daneben ein Hocker, auf den sie selbst Kronenkorken geklebt hat, mit den Zacken nach oben, damit es beim Knien besonders unangenehm ist. "Das ist eine Fickmaschine", sagt sie beiläufig und zeigt einen Dildo auf einem Gestell. In einem Lichtschacht des Hauses hat sie sich eine Zelle einbauen lassen. Am Boden stehen Grablichter und blickt man nach oben, sieht man neben den Badezimmerfenstern der anderen Bewohner auch ein Stück Himmel.

Studierte Psychologin

Die "Berufung" zur Domina hat die studierte Psychologin eher zufällig entdeckt. Eigentlich wollte sie etwas mit Sport machen, hatte dann aber einen schweren Fahrradunfall und fand sich im selben Vakuum der Planlosigkeit wieder, das viele Uni-Absolventen nach dem Abschluss empfinden. Sie begann bei einer Sex-Hotline zu arbeiten. "Das war vor zehn Jahren noch anders. Ich will das heute nicht mehr machen. Durch das Internet haben die Männer sehr viel an Fantasie eingebüßt", klagt sie. Durch die vielen Online-Gratispornos seien die Gespräche oberflächlich geworden.

Parallel dazu begann Prugger ihre Unterwäsche zu verkaufen. Eher zufällig bemerkte sie auf diese Art, dass die Männer, die sich Unterwäsche von ihr holten, eigentlich andere Bedürfnisse hatten. "Sie wollten von mir geohrfeigt oder gedemütigt werden." Ohne je in einem anderen Domina-Studio gewesen zu sein, begann sie Dinge mit diesen Männern auszuprobieren. "Es hat keinen Sinn, wenn ich mich mit Kolleginnen vergleiche. Wie ich mit jemandem spiele, hat sehr viel mit mir selbst zu tun. Man kann das nicht gut kopieren oder vergleichen", erklärt sie.

Am Anfang hätte es schon Hemmschwellen für sie gegeben. Ja, vor manchen Sachen habe sie sich auch geekelt. "Aber wäre ich Altenpflegerin, müsste ich alten und kranken Leuten den Hintern auswischen. So kann ich es mir aussuchen", sagt sie schulterzuckend. Irgendwann höre man auf, darüber nachzudenken. Nicht aber die Kunden. "Viele fragen mich, ob ich sie pervers finde. Ich sage dann: Die Einzige, die von uns zweien org ist, bin ich. Weil ich habe das schon mit vielen Leuten gemacht und mein Spektrum ist viel breiter", so Prugger.

Allerdings kann sie nachfühlen, dass viele Menschen Mühe haben, die Dinge, die hier von ihr gewünscht werden, mit Erotik und Sexualität zu verbinden, etwa ihre klinische Spezialisierung: Prugger macht auch Einläufe und Anal- und Harnröhrendehnungen. Außerdem gäbe es Dinge wie das "Adult Baby", also Männer, die von ihr gewickelt und wie Babys behandelt werden wollen. Für sie hat sie sogar Strampelanzüge.

Wie jemand dazu gekommen ist, sei oft sehr spannend. "Der Letzte hat mir erzählt, dass er sich daran erinnern kann, als ihm mit drei Jahren die Windel viel zu früh weggenommen worden ist. Das re-inszeniert er jetzt." Oft würden ihr auch Kunden erzählen, dass sie sich für abartig halten und auch schon in Therapie waren. Therapeuten, so Prugger, sagen fast immer dasselbe: dass man sich überlegen muss, ob es anstrengender ist, eine Neigung zu unterdrücken, oder ob es einfacher ist, sie auszuleben. Im Prinzip mache sie nichts anderes als angewandte Psychologie. Wenn jemand zu ihr komme, störe der doch niemanden.

Energetisch fordernd

Was gemacht wird, klärt Prugger in einem Vorgespräch. Dabei geht es um Vorlieben, Fantasien, aber auch um körperliche Einschränkungen. "Wenn jemand einen Herzschrittmacher hat, ist es keine gute Idee, irgendwelche Stromspiele zu machen", sagt sie. Angst davor, nachhaltigen Schaden anzurichten, hat sie nicht. Sie sei sehr vorsichtig und sehr konzentriert bei der Sache. Auch Hygiene sei ihr sehr wichtig.

Über all diese Dinge spricht sie sehr unbeschwert. Sie scherzt über einen Dildo mit dem Durchmesser ihres Unterarms. Der sei eigentlich ein Ziergegenstand. Einmal wollte einer, dass sie seinen Penis mit dem Dildo vergleicht und sich darüber lustig macht. "Aber dann war der Dildo fast kleiner als sein Penis, also dachte ich: Da muss was ganz Großes her, damit ich nie wieder in so eine Situation komme."

Ihr Beruf sei energetisch fordernd. "Ich glaube, nicht jeder kann das machen, und auch die meisten Frauen aus meinem Freundeskreis können sich das nicht vorstellen", sagt sie. Ihr selbst liege es sehr. Die Männer, die zu ihr kommen, seien hauptsächlich zwischen 40 und 60 Jahre alt. Ihre Preise möchte sie nicht in der Zeitung lesen, doch handelt es sich um einen Betrag, den die meisten nicht wöchentlich oder monatlich entbehren können. "Was die gesellschaftliche Schicht angeht, geht es aber quer durch." Es gebe zwar das Klischee, dass Männer in Machtberufen sich von ihren Diensten besonders angesprochen fühlen, doch sei es wohl so, dass diese sich das eher leisten könnten.

Auch rechtlich ist es für Dominas nicht ganz einfach. Pruggers Tätigkeit fällt unters Prostitutionsgesetz, obwohl sie keinen Geschlechtsverkehr mit ihren Besuchern hat. Gleichzeitig gilt ihr Lokal aber nicht als Bordell, somit sei es schwierig gewesen, die passende Versicherung dafür zu finden. Insgesamt sei sie trotzdem sehr glücklich mit ihrem Job. "Ich habe das Gefühl, dass ich den Leuten geben kann, was sie suchen. Und das ist ein sehr schönes Gefühl", so Prugger.