Wien. (wint) "Was machst du zu Silvester?" Je älter das Jahr, desto höher die Frequenz, in der man diese Frage hört. In Wien wird eine mögliche Antwort geradezu inflationär gegeben: "Ich gehe zum Silvesterpfad."

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert bietet die Stadt Wien gemeinsam mit dem Wiener Tourismusverband und der Wiener Handelskammer ein ausführliches Rahmenprogramm für die Nacht zwischen den Jahren. Auch heuer werden wieder Hunderttausende durch die Innenstadt ziehen und den Jahreswechsel gebührend feiern.

Wer den Trubel mag, kann an insgesamt 13 Standorten verschiedenste Veranstaltungen besuchen. Neben der Innenstadt sind der Prater und erstmals auch die Seestadt Aspern Teil des Wiener Silvesterpfades. Das Programm reicht von Kinderangeboten am Nachmittag ab 14 Uhr über musikalische Unterhaltung mit Live-Bands und DJs bis hin zum traditionellen Feuerwerk über dem Rathausplatz um Mitternacht. Danach wird Walzer getanzt. Sollte dieser noch nicht perfekt sitzen, kann er am Graben in Mitmach-Walzerkursen hinreichend geübt werden. Außerdem wird "Die Fledermaus" von Johann Strauß aus der Wiener Staatsoper live übertragen.

Da es herkömmliche Feuerwerke seit mehr als tausend Jahren gibt, hat sich die Stadt Wien heuer zusätzlich etwas Moderneres einfallen lassen. Ein digitales Handy-Feuerwerk soll für einen Weltrekord sorgen. Dazu können sich die Besucher die App "Oroundo Vienna" auf ihr Handy laden. Eine Countdown-Uhr wird auf dem Smartphone die Zeit bis Mitternacht herunterzählen und um 0.00 Uhr ein Feuerwerk auf dem Display starten. Das neue Handy, das unter dem Christbaum lag, kann also gleich getestet werden.

Ein Feuerwerk in der Hosentasche konnte sich zum Jahreswechsel 1990/91 wahrscheinlich noch niemand vorstellen. Damals fand der Silvesterpfad zum ersten Mal statt. Seither wächst die Veranstaltung zunehmend. Mittlerweile zählt er mit derzeit rund 700.000 bis 800.000 Besuchern zu den größten Silvesterfeierlichkeiten Europas.

Gästeminus durch Kälteeinbruch

Beim Silvesterpfad könnte es diesmal allerdings zu einem Besucherrückgang kommen. Schuld daran seien, so die Veranstalter, aber weniger die Terrorwarnungen (die "Wiener Zeitung" berichtete), sondern vielmehr der prognostizierte Kälteeinbruch. Dass Wiener und Touristen wegen Sicherheitsbedenken zu Hause bleiben, glaubt Geschäftsführer Michael Draxler nicht. "Nach dem, was ich bis jetzt gehört habe, habe ich nicht den Eindruck", sagte er am Mittwoch. Trotzdem wird die Polizei in der Silversternacht ihr Aufgebot aufstocken. In der City werden mehr als 500 Einsatzkräfte unterwegs sein.