Sophie Freud im Gespräch mit Peter Huemer im Stadtsaal. - © Stanislav Jenis
Sophie Freud im Gespräch mit Peter Huemer im Stadtsaal. - © Stanislav Jenis

Wien. Ein hartes Herz, Disziplin und ein Schutzengel: Hört man Sophie Freud, der heute 91-jährigen Enkelin Sigmund Freuds zu, sind das die Hauptingredienzien ihres Lebens. Das harte Herz: Es wurde ihr bereits als 14-Jährige von ihrer Mutter attestiert, im Exil in Paris, kurz nachdem sie vor den Nationalsozialisten aus Wien geflüchtet waren. Sie habe es von ihrem Großvater geerbt, sagte die Mutter.

Vorausgegangen war dieser Unterhaltung das ständige Wehklagen der Mutter über den Vater (den Sohn Sigmund Freuds), von dem sie sich eben getrennt hatte, und die Tochter war es leid das zu hören. Dieses harte Herz habe ihr allerdings immer wieder in ihrem Leben geholfen, sich nicht so zu kränken, sich alles eben nicht so zu Herzen zu nehmen - sie könne es daher nur empfehlen, meinte Sophie Freud am Sonntag durchaus schmunzelnd in einem Gespräch mit Peter Huemer im ausverkauften Stadtsaal, dessen Einnahmen dem psychosozialen Zentrum Esra zu Gute kamen.

"Was will das Weib?"


Auch sonst war der berühmte Großvater an diesem Vormittag immer präsent: Stefan Zweig habe bei Freud "die Güte des Herzens" gesehen, hielt Huemer dem Bild des harten Herzens entgegen. "Ich glaube, er hat sich geirrt. Mein Großvater liebte eigentlich nur seine Hunde, die liebte er sehr", so Sophie Freud, die, wie auch schon in vielen Interviews in den vergangenen Jahrzehnten, einmal mehr am Mythos Sigmund Freud rüttelte.

"Was will das Weib?", so der Titel einer seiner Publikationen, "das war eine der wenigen klugen Fragen, die mein Großvater in die Welt geworfen hat." Die Enkelin, eine Sozialpädagogin, hat später zur weiblichen Sexualität viel geforscht. Ansonsten seien viele der von ihm geschaffenen Begriffe - Penisneid etwa, aber auch die Kastrationsangst - "ja nicht mehr wahr", beziehungsweise, wie eben der Penisneid, "eine blöde Idee". Stattdessen hätte er sagen müssen: Auch die Frauen müssen die Möglichkeit erhalten, sich zu entwickeln.

Als Frau habe sie das Bild von Sexualität, das er gezeichnet habe, "geärgert". Nachsatz: Der Familie Freud sei Geld übrigens viel wichtiger gewesen als Sexualität. Und "das Unbewusste"? Davon habe schon Leibnitz gesprochen, "das hat er ja gar nicht erfunden. Er hat es präsentiert, publiziert. Er hat gemeint, er hat es erfunden, aber das war gar nicht wahr." Früher einmal hat die Enkelin die Psychoanalyse auch schon einmal als "narzisstischen Luxus" bezeichnet.