Wien. Wenn das Schloss Schönbrunn für Sissi und Walzerklänge steht, dann ist der Schwedenplatz der Punk unter Wiens historischen Plätzen. Hier zeigt die Innere Stadt ihr ungeschminktes Gesicht. Auf der einen Seite eine vierspurige Durchzugsstraße, die den Platz vom grünlich schimmernenden Donaukanal trennt, auf der anderen Seite die graue Gebäudefront des 1. Bezirks.

Grau ist auch die dominierende Farbe auf dem anrüchigen Platz, der immer offen hat und der keine Berührungsängste kennt. Jede Menge Fastfood, legale und illegale Drogen sind hier genauso rund um die Uhr zu bekommen wie Milch, Brot und Tageszeitungen aus aller Welt.

In Schutt und Asche gebombt

Neben grölenden Betrunkenen, verirrten Touristen und herumtreibenden Glücksrittern ist es auch der Verkehr, der den Ort prägt. Vom Schwedenplatz kann man mit dem Schiff nach Bratislava und mit dem Bus zum Flughafen fahren. Auch zwei U-Bahn- und Straßenbahnlinien sowie eine Bus- und zahlreiche Nachtbuslinien steuern den Platz an.

Ein Platz in der Größe von sechs Fußballfeldern, der in der Stadtplanung keine große Rolle spielte. Als die Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut wurde, begnügte man sich mit der einfachsten Variante. Die erste Häuserreihe, die in Schutt und Asche lag, wurde nicht wiederaufgebaut, sondern stattdessen zubetoniert. Danach überließ man den Platz seinem Schicksal.

Damit soll nun aber Schluss sein. Seit Jahren wird im Rathaus über eine Neugestaltung diskutiert. Ein Leitbild wurde mittlerweile erstellt. Jetzt sind die Bürger am Zug - wenn auch nur kurz. In einem Container, der an der Ecke Rotenturmstraße platziert wurde, können Interessierte bis Sonntag ihre ergänzenden Wünsche einbringen. Zu sehen gibt es sechs Entwürfe, die eine Jury aus 60 internationalen Beiträgen ausgewählt hat. Beteiligen kann man sich ebenso über die Homepage www.schwedenplatz.wien.at. Bis Sommer soll das Siegerprojekt feststehen.

In den sechs Renderings dominieren Grüninseln, Überdachungen wie etwa Sonnenschirme und Wasserelemente. Die Imbissbuden und das anrüchige Flair wurden durch händchenhaltende Menschen und viel Leerraum ersetzt. Soll hier der Punk durch den Bobo verdrängt werden?

Eine Piazza wünscht sich jedenfalls die zuständige Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne). Mit Spielflächen für Kinder und mehr Grünraum. Taxistände und Busstationen sollen besser organisiert und die zahlreichen Stände begrenzt werden. Auch die Wegnahme der Abbiegespur in Richtung 20. Bezirk kann sich Vassilakou vorstellen.

Bis 2020 soll der Umbau erfolgen. Die Planungsstadträtin rechnet mit Kosten in zweistelliger Millionenhöhe.

Öffnungszeiten: Di-Sa: 11.30 - 18 Uhr

Do: 11.30 - 19.30 Uhr; So: 15 - 18 Uhr

www.schwedenplatz.wien.at.


Links
Zu den sechs Beiträgen und zur Abstimmung über die "Neugestaltung Schwedenplatz".
wienerzeitung.at ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Fotostrecke 12 Bilder